Komment@r: Häßliches Fan-Theater

4. März 2006, 11:07
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Kaum vernünftige Ideen, dafür Verherrlichung von Gewalt und oben drauf rechtsradikales Liedgut

Sie war Besorgnis erregend, diese fürchterliche Geistlosigkeit der Wiener Fan-Szene beim großen Derby. Seitens der Rapid-Anhänger wurde per Spruchband eine Todesdrohung an Joey Didulica adressiert. Das ist nicht humorvoll, auch nicht subtil, das ist ziemlich plump und dumm. Ebenso wie eine gehängte Didulica-Puppe. Man würde sich die Fan-Kultur etwas witziger, etwas anspruchsvoller wünschen. Stattdessen fordern die Fans "Tod und Hass" für den Gegner. So hatte das Derby-Vorspiel für den neutralen oder gemäßigten Beobachter bestenfalls den Charme einer Universum-Folge über fremde Lebensformen in ihrem natürlichen Umfeld. Gepaart mit dem Echtzeit-Charakter einer stupiden Reality-Show.

Nun brüstet sich die Polizei mit der Verhinderung eines geplanten Platzsturms. Die Fans wollten angeblich Didulica erwischen. Wer's glaubt... Wahrscheinlicher sind da schon die bellenden Hunde, die kaum beißen, aber am Sonntag nach der Wien-Wahl bei Mutti leckere Marillen-Knödel essen. Didulica hat es wohl ähnlich gesehen, er blieb ob des Rundherums eher gelassen. Lawaree fand es ein wenig exzessiv, wohl auch weil die Rapid-Fans ihn am vorverlegten Silvester-Abend per exakt abgefeuerter Leuchtrakete am Mittelkreis trafen. Das hatte dann - aber nur weil der Belgier dabei nicht verletzt wurde - doch noch Komik, wenn auch unfreiwillig. Die Austria-Fans forderten nach diesem Volltreffer jedenfalls eine Zugabe.

Die Violetten singen aber noch ganz andere Sachen, man solle zum Beispiel einem Grünen das Genick brechen, wenn er schon mal am Boden liege. Das entspricht eher nicht den Grundsätzen des Humanismus. Anschließend wird es aus vollen Kehlen skandiert: "Wir wollen keine Grünen Parasiten, Violett ist die Heimat, raus mit diesem Pack." Parasiten - Heimat - Pack. Spätestens jetzt wähnt man sich auf einer rechtsradikalen Veranstaltung. Der Eindruck wird nicht gerade besser wenn ein achtloses "Vorstadtzigeuner" in Richtung der Rapid-Spieler geschleudert wird. Manchen grünen Fans wiederum ist nicht einmal der Hitler-Gruß bei Derbys Tabu. Man hält das wohl für eine besonders intelligente Provokation angesichts der jüdischen Vergangenheit der Austria. Ironie am Spielfeldrand: das Bundesliga-Wochenende stand im Motto von "FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel". Den Vereinen steht noch eine Menge Arbeit bevor, die Angst sich mit den eigenen Kunden anzulegen dominiert noch immer, Kritik wird nur zaghaft geäußert.

Wer sich das Wiener Derby ein weiteres Mal antun will, sei gewarnt: es könnte sich in Zukunft ähnlich abspielen. Den Grundstein hat Axel Lawaree schon gelegt, er meinte nach dem Match: "Solange Didulica bei Austria spielt, wird das nicht vergessen." Ein echter Sportsmann eben. (Philip Bauer)

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    Didulica-Puppe am Strick.

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