"Einen Moment, bitte"

23. Oktober 2005, 15:35
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Seit 6 Uhr früh sitzt sie vor dem Wahllokal im 17. Bezirk ...

.... seit sieben Uhr geht regelmäßig die Tür. "Wohin muss ich?" Orientierungslos, den Sonntagsschlaf noch in den Augen, die Kipferlbrösel am Revers, wenden sich die willigen WählerInnen vertrauensvoll an sie. Sie ist "Ordnerin". Der Kaffee steht seit sieben Uhr morgens unberührt neben ihr und ist längst kalt. "Ich komm halt nicht dazu", vom Kuchen zwischendurch schnell eine paar Bissen.

"Die meisten Leute haben ihre Wahlinfo zu Hause vergessen, dann muss ich raussuchen, in welchem Sprengel sie wählen müssen". Was kein Problem für sie ist, schließlich macht sie das seit Jahrzehnten. Und führt ein strenges Regiment. Wenn schon WählerInnen im Raum sind, müssen die anderen vor der Türe warten. "Ordnung muss sein".

Das sieht nicht jeder ein. "Ich hab immer drinnen warten dürfen", raunzt ein Umwilliger und zappelt so lange herum, bis sie sich überreden lässt: "Dann gehn´s halt rein". Ein junges Paar nützt die Gelegenheit, und will sich an der Orderin vorbeischmuggeln. Für heute hat ihre Nachgiebigkeit allerdings eine Ende: "Na, na, einen Moment, bitte."

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