Erste Festnahmen nach UNO-Bericht zu Hariri-Mord

3. November 2005, 10:53
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Verdächtiger soll Lahoud Minuten vor Anschlag angerufen haben - Reiseverbot für elf Minister und Abgeordnete

Beirut - Im Libanon ist nach der Veröffentlichung des UNO-Untersuchungsberichts zum Mord am früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri ein weiterer Verdächtiger verhaftet worden. Gleichzeitig sprach die libanesische Justiz am Sonntag ein mehrmonatiges Reiseverbot für elf ehemalige pro-syrische Minister und Parlamentsabgeordnete aus. Wie aus Justizkreisen in Beirut bekannt wurde, ordnete der libanesische Generalstaatsanwalt Said Mirza die Verhaftung von Mahmud Abdul Al an, der wenige Minuten vor dem Attentat auf Hariri das Handy von Staatspräsident Emile Lahoud angerufen hatte.

Mahmud Abdul Al und sein bereits zuvor verhafteter Bruder Ahmed gehören der islamischen Wohltätigkeitsorganisation Al-Ahbache an, die Verbindungen nach Syrien hat. Beide stehen unter Tatverdacht. Ein dritter Bruder arbeitet für die Präsidentengarde, deren Kommandant General Mustafa Hamdane bereits in Untersuchungshaft sitzt.

Dass Mahmud Abdul Al am 14. Februar, als Hariri und 22 weitere Menschen durch eine Bombe starben, sowohl Lahoud als auch den inzwischen inhaftierten Chef des libanesischen Militärgeheimdienstes, General Raymond Azzar, angerufen hatte, steht in dem UNO-Ermittlungsbericht. Diesen hatte der vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Untersuchung beauftragte deutsche Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis vergangene Woche Generalsekretär Kofi Annan überreicht. Mehlis war in seinem Untersuchungsbericht zu dem Schluss gekommen, dass auch hochrangige syrische Geheimdienstoffiziere in den Bombenanschlag verwickelt waren. Die syrische Führung warf Mehlis daraufhin vor, er habe einen tendenziösen, nicht auf Fakten gestützten Bericht vorgelegt, um den USA und Frankreich einen Vorwand zu geben, ihren Druck auf Syrien zu erhöhen. Ähnlich kommentierten am Wochenende auch mehrere arabische Zeitungen den Mehlis-Bericht.

Anschuldigungen scharf zurückgewiesen

Die syrische Regierung wies die Anschuldigungen erneut scharf zurück. Der stellvertretende Außenminister Ahmed Arnus sagte bei einer Pressekonferenz in Damaskus, der Bericht beruhe auf "vorgefassten Ideen, die zu Ergebnissen politischer Natur führen und Syrien in einen Kreislauf von Anschuldigungen ohne Beweise bringen". Arnus bedauerte, dass sich Mehlis fast ausschließlich auf Aussagen von Personen in Libanon verlassen haben, deren Feindschaft zu Syrien bekannt sei. Aussagen syrischer Beamter seien nicht beachtet worden.

Nach libanesischen Polizeiangaben vom Samstag soll Syrien Bombenanschläge im Nachbarland veranlasst haben, um die Lage im Libanon nach dem syrischen Truppenabzug im April zu destabilisieren. Drei verdächtige Libanesen hätten ausgesagt, sie hätten von einem Mittelsmann Syriens Geld und Anweisungen erhalten, um Attentate zu verüben. Die drei Männer wurden im Zusammenhang mit einem Anschlag auf eine libanesische Journalistin am 25. September festgenommen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Bombenkrater nach dem Attentat, bei dem der frühere libanesische Ministerpräsidenten Rafik Hariri ums Leben kam.

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