Match: Kicken im Schatten der Gewalt

4. März 2006, 11:07
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Rapid gewinnt das Derby gegen eine dezimierte Austria 2:0, vor dem Anpfiff gab es im Horr-Stadion Randale von Rapid-Fans

Wien - Das 275. Wiener Derby hat am Samstag mit dem ersten Sieg von Meister Rapid im Horr-Stadion seit über 19 Jahren geendet. Die Hütteldorfer gewannen das von Zuschauerausschreitungen überschattete und mit 30 Minuten Verspätung angepfiffene Duell mit der Austria durch Tore von Lawaree (29.) und Kincl (69.) 2:0 (1:0) und stellten in der ewigen Derby-Bilanz auf 116:101 Siege bei 58 Remis.

Lawaree, der mit Kincl den zweiten grün-weißen Derby-Erfolg in Serie fixierte, revanchierte sich mit seinem Tor für das schwere Foul von Austria-Goalie Didulica am 26. Mai, als der Belgier schwere Gesichtsverletzungen erlitten hatte.

Austria früh dezimiert

Die auf Grund der Zwischenfälle vor dem Spiel aufgeheizte Stimmung übertrug sich in der Anfangsphase auch auf die Spieler beider Mannschaften. Zahlreiche Fouls und Unsauberkeiten mündeten neben Verwarnungen für Linz und Hlinka in der 15. Minute in der Gelb-Roten Karte für Austria-Akteur Kiesenebner. Der ÖFB-Teamspieler wurde, nachdem er bereits in der 6. Minute das erste Mal Gelb gesehen hatte, wegen eines Fouls an Rapid-Kapitän Hofmann des Feldes verwiesen.

Für den ersten sportlichen Aufreger sorgte Ivanschitz (23.), der Didulica mit einem 18-m-Schuss erstmals prüfte. Im Gegenzug zielte Linz (23.) knapp am Tor von Rapid-Goalie Hedl, der den verletzten ÖFB-Teamtorhüter Payer (Achillessehnen-Entzündung) ersetzte, vorbei. Wenige Augenblicke später nahm das Austria-Trainerduo Stöger/Schinkels den Teamstürmer aus taktischen Gründen vom Platz, brachte Mittelfeldspieler Metz und stellte von den anfänglich variierenden 4-4-2- und 3-5-2-Formationen auf ein 4-4-1-System um.

Die Grün-Weißen, die wegen Sicherheitsbedenken unter Protest angetreten waren, zeigten sich von der aufgeladenen Atmosphäre wesentlich weniger beeindruckt als die Hausherren, agierten aggressiver und hatten auch mehr vom Spiel. Nach einem 30-m-Schuss von Ivanschitz (28.) hatte Didulica erneut Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Zwei Minuten später war der Kroate aber geschlagen. Ausgerechnet Lawaree (29.), der vor dem Spiel von einer der zahlreichen aus dem Rapid-Sektor abgefeuerten Leuchtraketen getroffen worden war, lief nach Traumpass von Hofmann alleine auf Didulica zu und schoss souverän zur völlig verdienten 1:0-Führung ein.

Rapid nie gefährdet

Die Austria, die dem Erzrivalen mit nur zehn Mann in allen Belangen unterlegen war, wurde vor der Pause noch durch Sionko (34./nach schöner Kombination von Metz und Rushfeldt) sowie Rushfeldt (38./nach Eckball von Ceh und Kopfball-Vorlage von Sionko über das Tor) gefährlich, Hedl war aber jeweils Sieger.

Nach dem Seitenwechsel blieb Rapid tonangebend, die dezimierten Veilchen kamen nie ins Spiel, geschweige denn zu guten Einschussmöglichkeiten. Kincl (69.) blieb es schließlich vorbehalten, für die Entscheidung zu Gunsten der dominierenden und wie eine Heim-Mannschaft auftretenden Gäste zu sorgen. Der eingewechselte Akagündüz versetzte Tokic, der ausgerutscht war, und legte ideal für seinen Sturmkollegen auf, der aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste.

Kincl übernahm mit acht Treffern gleichzeitig die Führung in der Torschützenliste. Im Finish der enttäuschenden zweiten Spielhälfte vergab Ivanschitz die Chance auf einen noch deutlicheren Erfolg für die Rapidler, die damit den Rückstand auf den Tabellenführer aus Wien-Favoriten auf vier Punkte verringerten. Allerdings könnten die Veilchen schon am Sonntag die Pole Position verlieren, und zwar dann, wenn es im Spiel Salzburg - Sturm einen Sieger gibt. (APA)

  • FK Austria Magna - SK Rapid Wien 0:2 (0:1). Horr-Stadion, 11.800 (ausverkauft), SR Plautz.

    Torfolge: 0:1 (29.) Lawaree, 0:2 (69.) Kincl

    Austria: Didulica - Dospel, Tokic, Antonsson, Schragner - Sionko (62. Sebo), Kiesenebner, Blanchard, Ceh (79. Lasnik) - Rushfeldt, Linz (23. Metz)

    Rapid: Hedl - Dober (41. Garics), Martin Hiden (73. Martinez), Bejbl, Adamski - Korsos, Hofmann, Hlinka, A. Ivanschitz - Lawaree (60. Akagündüz), Kincl

    Gelb-Rote Karte: Kiesenebner (15.)
    Gelbe Karten: Linz, Dospel bzw. Hlinka, Martin Hiden, Lawaree

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Marek Kincl (li) und Torschütze Axel Lawaree freuen sich hinter dem Polizeikordon, der das Tor von Joey Didulica absichert, über den Führungstreffer von Rapid.

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