Post-Chef schließt weitere Ämterschließungen nicht aus

29. November 2005, 13:00
11 Postings

Wais: Liberalisierung wird Umsatz und Gewinn kosten - "Der Focus heißt Südosteuropa"

Wien - Die Österreichische Post AG will bis in die Ukraine expandieren, das Geld dafür soll durch einen Verkauf von bis zu 49 Prozent des Staatsunternehmens kommen. "Der Focus heißt Südosteuropa", erklärte am Samstag Post-Chef Anton Wais im Ö1-Mittagsjournal. Weitere Postämterschließungen in Österreich wollte er, im kleinen Umfang, nicht ausschließen. Eine gezielte Personalreduktion - die Post hat seit 1999 rund 8.000 Mitarbeiter abgebaut - sei nicht notwendig.

Personalfluktuation

Dazu reiche die normale Personalfluktuation, meinte Wais. 80 Mitarbeiter verlassen die Post pro Monat. Beim Zeitpunkt des Börseganges wollte sich Wais nicht festlegen, diesen bestimme die Regierung als Eigentümervertreter und der Kapitalmarkt. Wobei die Regierung "eine ziemliche Lernkurve" hinter sich hat, bemerkte er. Die Post AG sei jedenfalls im Stande, ab dem Frühjahr des nächsten Jahres an die Börse zu gehen. Wais: "Wir brauchen eine Entstaatlichung."

Die Tageszeitung "Die Presse" hatte am Freitag berichtet, dass das neue Postgesetz - die Basis für die Liberalisierung - nicht mehr, wie geplant am 1. Jänner 2006, sondern erst am 1. März in Kraft treten soll. Die Regierung ziehe damit die Konsequenzen aus dem von SPÖ und Grünen angekündigten Veto im Bundesrat, durch das sich die endgültige Verabschiedung im Nationalrat voraussichtlich auf das nächste Jahr verschieben werde.

Unklarheit

Vor wenigen Tagen hatte ein angebliches Strategiepapier für die Regierung zum Börsegang der Post AG für Aufregung gesorgt, wonach die Öffentlichkeit gezielt über den Börsegang im Unklaren gelassen werden solle. Aus dem Bundeskanzleramt sowie aus der mit der Strategieentwicklung beauftragten PR-Agentur Ogilvy hieß es jedoch, das Papier sei eine Fälschung. Ogilvy kündigte Anzeige gegen Unbekannt an.

Klar ist für Wais, dass sich die Expansion nach Südosteuropa in den Bilanzen negativ niederschlagen werde. "Die Bilanz 2009 wird die Expansion zeigen", stellte Wais klar. Bis 2008 werde die Liberalisierung Umsatz und Gewinn kosten, um das aufzuholen brauche die Post die Expansion in Südosteuropa. Wais ortet einen Investitionsaufwand von 500 Millionen Euro.

"Einsparungspotenzial"

Gleichzeitig gebe es ein jährliches Einsparungspotenzial von 40 Mio. Euro. Um dieses nicht zu gefährden müsse der kommende Lohnabschluss unter den 3,1 Prozent Lohnerhöhung für die Metaller liegen. Schließlich beteilige die Post AG die Mitarbeiter auch am Erfolg, im vergangenen Jahr wurden demnach 350 Euro pro Postler an Erfolgsprämie ausgeschüttet.

Nach der kürzlich bekannt gegebenen Portoerhöhung sind bis 2008 keine Preissteigerungen mehr geplant, versicherte Wais. Nicht festlegen wollte er sich bei der Anzahl der Postämter. Nach der bisher letzten Schließungswelle, die mit dem Zusperren von 310 Ämtern ein "mächtiger Schritt" gewesen sei, gebe es nun keine konkreten Pläne für weitere Stilllegungen. Wie viel Postämter letztendlich offen halten hänge aber von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Post Generaldirektor Anton Wais im Klub der Wirtschaftsjournalisten.

Share if you care.