Mehlis-Report: Kronzeuge angeblich verurteilter Betrüger

1. November 2005, 09:35
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Zeitung: Wesentliche Teile der Ermittlungen gingen auf Geheimdienstmann zurück, der in der Vergangenheit wegen Veruntreuung verurteilt wurde

Hamburg/Wien - Ein zentraler Zeuge, auf den der UN-Sonderermittler Detlev Mehlis seinen Bericht zur Ermordung des libanesischen Spitzenpolitikers Rafik Hariri gestützt habe, sei ein mehrfach verurteilter Betrüger, schreibt das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einer Vorausmeldung in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Der angebliche syrische Geheimdienstmann Zouheir Mohammad Assediq (Suheir al-Sadik) (42), auf dessen Aussagen wesentliche Teile der Ermittlungen der UN-Untersuchungskommission zurückgingen, sei in der Vergangenheit unter anderem wegen Veruntreuung von Geldern und Betrugs verurteilt worden.

Auch in der UN-Kommission selbst, die den Mord an dem libanesischen Ex-Premier untersucht, bestünden Zweifel an der Glaubwürdigkeit des syrischen Zeugen. Dieser habe nachweisbar gelogen, heiße es in UNO-Kreisen, schreibt "Der Spiegel". So habe er zuerst behauptet, Beirut einen Monat vor der Tat verlassen zu haben. Ende September habe er dann eingeräumt, an der Ausführung des Attentats beteiligt gewesen zu sein. Offenbar habe der Mann für seine Aussage von dritter Seite Geld erhalten. Nach Angaben seiner Brüder habe sich Sadik im Spätsommer aus Paris gemeldet und gesagt: "Ich bin jetzt Millionär."

Kontakt

Genährt wird die Skepsis laut "Spiegel" auch dadurch, dass der Kontakt zu Mehlis über den syrischen Dissidenten Rifaat Assad hergestellt worden sei, einen Onkel des Präsidenten Bashar Assad, der das Baath-Regime in Damaskus bekämpft. Der Bruder des verstorbenen Staatschefs Hafez Assad und ehemalige Vizepräsident war nach einem Umsturzversuch verbannt worden. Sadik will seine Wohnung in einem Beiruter Vorort für mehrere Vorbereitungstreffen zur Verfügung gestellt haben, an denen syrische Geheimdienstoffiziere teilgenommen hätten.

Unterlagen über Sadik

Sadik selbst will für den syrischen Nachrichtendienst Informationen in libanesischen Palästinenserlagern gesammelt haben. Die syrische Regierung hat bereits vor Wochen ein Dossier mit belastenden Unterlagen über Sadik verschiedenen westlichen Regierungen zur Verfügung gestellt. Damit soll bewiesen werden, dass Mehlis einem notorischen Schwindler aufgesessen ist, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht. (APA)

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    Anhänger des Ermordeten Premiers Hariri nach der Veröffentlichung des Berichts in Beirut.

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