Institut dämpft Erwartung auf neuen Impfstoff

4. November 2005, 15:16
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Von Zulassung oder Produktion noch weit entfernt

Riems - Das Friedrich-Loeffler-Institut hat Erwartungen auf den schnellen Einsatz eines neuartigen Tier-Impfstoffes gegen Vogelgrippe gedämpft. Das Institut habe zwar den Prototyp dieses Impfstoffes erfolgreich getestet, von der Zulassung oder der Produktion sei er aber noch weit entfernt, sagte Institutsleiter Mettenleiter auf der Insel Riems bei Greifswald. In der kommenden Woche wollen Institutsexperten mit Impfstoffherstellern beraten, ob weitere Forschungen nötig sind und unter welchen Bedingungen die Zulassung und die Produktion ermöglicht werden.

Markersystem

Eine Impfung von Geflügel in Deutschland ist derzeit nicht erlaubt, auch deswegen, weil sich geimpfte und infizierte Tiere nicht mehr oder nur schwer auseinander halten lassen. Der neue Impfstoff, der von den Riemser Forschern entwickelt wurde, ermögliche durch ein Markersystem die Unterscheidung zwischen geimpften und infizierten Tieren, erklärt Mettenleiter. Für den neuen Impfstoff verwendeten die Forscher ein abgeschwächtes Geflügel-Herpesvirus, dem sie ein Vogelgrippe-Gen hinzugefügt hatten. Damit wird ein Immunschutz sowohl gegen Herpes als auch gegen Vogelgrippe erzeugt. Ein weiterer Vorteil sei die Verabreichung über Sprays oder das Trinkwasser.

Eine Impfung gegen Vogelgrippe kann nach Angaben des Instituts eine Infektion des geimpften Tieres nicht verhindern, führt aber zu einer weitgehenden Verhinderung der Krankheitssymptome und zu einer Reduktion der Virusausscheidung nach einer Infektion. Derzeit werden zur Impfung so genannte inaktivierte Vollvirusimpfstoffe genutzt, die individuell jedem Tier verabreicht werden müssen.

Impfgebiet

Das Institut sieht eine Impfung mit den derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffen eher kritisch. Nach umfangreichen Seuchenzügen werde in Norditalien seit fünf Jahren mit Billigung der EU gegen gering pathogene Vogelgrippe-Viren vom Subtyp H5 und H7 geimpft. Trotzdem sei es immer wieder zu Ausbrüchen im Impfgebiet gekommen. Zudem könne im Falle einer geimpften Population ein Viruseintrag nur mit großem diagnostischem Aufwand bemerkt werden. Dazu müssten ungeimpfte Tiere in den Bestand gestellt und regelmäßig untersucht werden.

Eine Impfung sei derzeit nur sinnvoll, wenn eine Seuche außer Kontrolle zu geraten drohe. Mit einer Impfung könne man den Ausbreitung der Seuche verlangsamen. Jeder geimpfte Vogel müsse dann aber als potenziell infiziert angesehen und später auch getötet werden. (APA/dpa)

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