Das große blaue Schmunzeln

23. Dezember 2005, 15:21
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Es war traurig anzusehen, aber mit Sonntag hat Jörg Haider das Schlimmste überstanden ...

Es war traurig anzusehen, aber mit dem heutigen Tag hat Jörg Haider das Schlimmste überstanden. Damit der echte Wiener nicht untergeht, prügelten Funktionäre der FPÖ in den letzten Wochen auf den echten Kärntner ein, dessen empörendem Verrat sie überhaupt erst verdanken, dass sie als politische Existenzen die Schwelle öffentlicher Wahrnehmung überschreiten konnten. Es war ein Vergnügen, aus freiheitlichen Drucksorten endlich jene Wahrheiten zu vernehmen, in deren sicherem Besitz man sich seit Jahren wusste, ohne dass man sie mit den Mölzers und Straches teilen konnte.

Nun darf man gemeinsam mit ihnen schmunzeln. "Mit großem Schmunzeln nimmt die Wiener FPÖ zur Kenntnis, dass die wegen ihrer Nobelschuhe und Edeltaschen gegen Spesenrechnung ins Gerede gekommene Ex-Vizekanzlerin Riess-Passer sowie der bei Frank Stronach am warmen Ofen sitzende Ex-Politiker Peter Westenthaler nun Platz im orangenen Geisterschiff genommen haben", informierte "Zur Zeit" und prophezeite: Auch in Wien werden Haider und Co nicht an die Zwei-Prozent-Marke herankommen.

Das kann nur an der Omnipräsenz HC Straches liegen, der Jörg Haider unter anderem auch die Kenntnis verdankt, wie man sich eine Partei unter den Nagel reißt. Wir treffen thematisch ins Schwarze, strich er in der "Neuen Freien Zeitung" in einem Brief an das Liebe FPÖ-Mitglied seine Führerqualitäten hervor, und seine Wachsamkeit für den Fall, dass vielleicht auch Sie in diesen Tagen Post vom BZÖ erhalten haben.

Das ist nicht harmlos! Stronach-Günstling Peter Westenthaler meldet sich darin zu Wort. Vordergründig, um für das längst gescheiterte orange Polit-Projekt Stimmung zu machen. Seine wahre Absicht ist es aber, unserer FPÖ zu schaden, den Aufwärtstrend zu stoppen. Westenthaler agiert damit sowohl als Handlanger der ÖVP, die das BZÖ samt Haider zum eigenen Machterhalt auf Bundesebene braucht, als auch als Handlanger der Wiener SPÖ, der eine starke FPÖ als einzige Opposition ein Dorn im Auge ist.

Verständlich, dass sich ein Unternehmer wie Frank Stronach um einen Günstling mit der Fähigkeit, gleichzeitig Handlanger der ÖVP und Handlanger der Wiener SPÖ zu sein, reißen musste. Wie gewohnt übernimmt der Günstling selbst keine politische Verantwortung. Dafür agiert er aus dem Hinterhalt mit Unwahrheiten und Verdrehungen, bei denen sich sogar tote Freiheitliche im Grab umdrehen. Für einen trat die Witwe als Sprecherin des Verstorbenen zur höheren Ehre seines Nachfolgers im Amt auf.

Als Witwe des verstorbenen Dr. Rainer Pawkowicz, Obmann der Wiener FPÖ, verwahre ich mich dagegen, daß mit dem Namen meines Mannes heute für das BZÖ Wahlwerbung gemacht wird. Mein Mann war Zeit seines Lebens der FPÖ eng verbunden, hat dieser politischen Partei Kraft, Energie und Gesundheit geopfert und hat es sich meiner Meinung nach - die Meinung des Toten war nicht endgültig zu eruieren - nicht verdient, nach seinem Tod instrumentalisiert zu werden. Eine derartige Vereinnahmung ohne mein Einverständnis schmerzt mich sehr. In einem Fall wie diesem das Einverständnis der Witwe nicht eingeholt zu haben, war ungehörig. Stronach sollte sich für seinen Günstling entschuldigen. Mindestens aber der Anregung des Wiener FP-Sekretärs folgen: "Wäre ich Frank Stronach, würde ich Peter Westenthaler zurückpfeifen. Offenbar ist dieser im Magna-Konzern unterbeschäftigt, fadisiert sich und kann sich so der Parteipolitik für das BZÖ widmen."

"Zur Zeit" wirft aber noch grellere Lichter auf Schüssels Koalitionspartner. Gute Geschäfte scheint Karl-Heinz Petritz zu machen, der es immerhin zu Wege gebracht hat, dass eine Gumpoldskirchner Heurigen-Wirtin, zu der ihm ein besonderes Naheverhältnis zugeschrieben wird, die Chef-Marketingdame des BZÖ geworden ist, wenn sie nicht gar demnächst dessen Geschäftsführung übernimmt. Interessant, welch grandiose Karrieren man als zugeschriebener Günstling einer Gumpoldskircher Heurigen-Wirtin in Gang setzen kann.

Ebenso im Aufwind fühlen sich die Gebrüder Kurt und Uwe Scheuch, die gegenwärtig dabei sind, am Sessel des Stellvertretenden Kärntner Landeshauptmannes und langjährigen Haider-Begleiters Martin Strutz zu sägen. Das sollte man ihnen nicht verübeln, die Gebrüder Scheuch sehen scheinbar, dass auf Bundesebenen für das BZÖ nicht mehr viel zu holen ist, worin sie freilich auch bisher nicht übermäßig erfolgreich waren.

Warum der vormalige Sozialminister Herbert Haupt, der sich im kleinen Kreis oft und häufig darüber beklagt hatte, wie übel Haider mit ihm verfahren sei, doch beim BZÖ geblieben ist, stellt sich nunmehr in diesen Tagen heraus. Haupt scheint auf die Position des weisungsfreien Behinderten-Anwalts zu spitzen, damit dürfte der abmontierte Sozialminister für die Zeit nach der schwarz-orangen Regierungskoalition ein bequemes Residuum für sich gesichert haben. Es handelt sich dabei offensichtlich um den Rückstand nach einer Krankheit namens Wende. (DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.10.2005)

Von Günter Traxler
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    foto: standar/cremer
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