Hydro-Verkauf geht in die heiße Phase

7. November 2005, 14:44
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Um die Kraftwerkssparte der VA Tech an den Mann zu bringen, kommt Siemens Interessenten entgegen. Der Elektromulti würde bis zu 600 Millionen Euro garantieren

Wien - Der Verkauf der VA-Tech-Wasserkraftsparte "Hydro" hält Siemens auf Trab. Um Investoren die Erstellung eines Angebots zu erleichtern, hat sich Siemens zuletzt deutlich bewegt: Der Elektromulti soll im von der BA-CA ausgearbeiteten Finanzierungskonzept in Aussicht gestellt haben, bis zu 600 Millionen Euro an Konzerngarantien zu übernehmen, erfuhr DER STANDARD aus Siemens-Kreisen.

Ob das die Angebotserstellung tatsächlich erleichtert, bleibt abzuwarten. Denn bei Garantien und Haftungen von 1,668 Milliarden Euro lassen sich mit den angebotenen 600 Mio. Euro nur die Garantien für den Wasserkraftwerksbau abdecken, also das Kerngeschäft "Hydro", das Siemens aufgrund der EU-Auflagen verkaufen muss.

Eng bleibt es beim kalorischen Kraftwerksbau (Combined Cycle), wo weitere 147 Mio. Euro an Bankgarantien und 802 Mio. an Konzernhaftungen anfallen. Die sind für Kaufinteressenten "die größere Herausforderung", wie ein Kraftwerksbauer versichert.

Wie viele Konsortien sich dieser gestellt und bis Freitag, 18 Uhr, unverbindliche Angebote abgegeben haben, ist offen. Es sollten mehr als eine Hand voll sein, die sich Zugang zum Datenraum verschaffen wollen, war man bei Siemens sicher:

  • Die Cross Industries von Stefan Pierer und Rudolf Knünz (KTM) mit der UIAG und Herbert Paierl;

  • Allianz Capital Partners, die Private Equity Gesellschaft der deutschen Allianz-Gruppe mit Erwin Soravia und allenfalls Ex-VA-Tech-Chef Klaus Sernetz an Bord.

  • Stets interessiert gezeigt hat sich - zumindest bis die mit dem Verkauf betraute Investmentbank Goldman Sachs ein Sprechverbot verhängte - Mirko Kovats und seine Mischholding A-Tec Industries. Sie könnte sich freilich auf Wasserkraft und die Generatorenproduktion für General Electric spezialisieren und die riskanteren Gas-Kombi-Kraftwerke . . .

  • . . . Mitsubishi Heavy Industries überlassen, die offenbar ausschließlich an Combined Cycle interessiert sind;

  • Möglicherweise dabei auch die First Reserve Corporation, ein auf die Energiebranche spezialisierter US-Finanzinvestor, der über vier Fonds und mehr als 4,7 Mrd. Euro Transaktionskapital verfügt. Er hat Siemens vor knapp drei Wochen Wheelabrator Air Pollution verkauft, einen auf Emissionsreduzierung spezialisierten US-Anbieter.

  • Nur an der Wasserkraft dürfte indes die steirische Andritz AG interessiert sein, sie spitzt insbesondere auf die schweizerische Sulzer.

  • Als unwahrscheinlich galt, dass der Industrielle Hannes Androsch anbieten werde. Er selbst war allerdings zu keiner Stellungnahme bereit;

    Ob sich der von Siemens erhoffte Kaufpreis, der mit 200 bis 300 Mio. Euro weit jenseits der in der Anlagenbaubranche üblichen Messlatte von "Ebit mal sechs" liegen würde, jemals zurückverdienen lässt, ist für Kaufinteressenten die "Zwölferfrage". Anhand der Zahlen im Info-Memorandum seien eigentlich nicht mehr als 160 bis 180 gerechtfertigt, sagt ein langjähriger Kraftwerksbauer. Schließlich werde Combined Cycle heuer ob des langwierigen Übernahmeprozesses mit mindestens 3,1 Mio. Euro (Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen, Anm.) in die roten Zahlen rutschen. Überhaupt sei fraglich, ob die versprochene 20-prozentige Steigerung binnen fünf bis sieben Jahren einzuspielen ist. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.10.2005)

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