"Anderer" Blick aufs Gedenkjahr

2. November 2005, 22:23
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Ohne viel PR im Vorfeld öffnet am 3. November "geheimsache:leben" - die erste Schau über Lesben und Schwule in Wien - ihre Pforten

Ein Beitrag zum Gedenkjahr, den die Stadt allein finanzieren muss: Sponsoren fanden sich keine

Wien – Der Wiener Wahlkampf habe in den vergangenen Wochen eben alles übertönt, schildert Ausstellungsleiter Hannes Sulzenbacher. Vor allem sei er lauter gewesen als nachdenklich machende Nachrichten, etwa solche, die neue Facetten im Leben bekannter Personen aufzeigen.

"Wir werden zum Beispiel einen Ring ausstellen, der der Widerstandskämpferin Rosa Jochmann im KZ gehört hat. Auf einer Seite ist Jochmanns Häftlingsnummer eingraviert, auf der anderen Seite jene ihrer in einem anderen KZ eingesperrten Freundin", beschreibt Sulzenbacher ein Highlight von "geheimsache:leben", der ersten großen Schau über Lesben und Schwule im Wien des 20. Jahrhunderts. Die Eröffnung der Ausstellung, als Beitrag zum Gedenkjahr ursprünglich am Nationalfeiertag, den 26. Oktober geplant, verzögert sich wegen "technischer Schwierigkeiten" in den Schauräumlichkeiten um eine Woche auf den 3. November.

Mit der Symbolträchtigkeit des ursprünglichen Starttermins oder dessen zeitlicher Nähe zum Wiener Wahltermin habe diese Verschiebung 2. Spalte nichts zu tun, betont man im Büro des Wiener Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny (SP): "Im Gegenteil, wir hätten bisher gern mehr PR für die Schau gehabt". Immerhin zahlt die Stadt unter Mailath- Pokornys Federführung nach derzeitigem Stand die 300.000 3. Spalte Euro Ausstellungskosten zur Gänze. Vom Nationalfonds und wenigen Sachspenden abgesehen, fand sich trotz intensiver Bemühungen bisher kein einziger Sponsor. Sämtliche Ministerien sagten ebenso ab wie die Wiener Wirtschafts- und die Arbeiterkammer sowie die GPA.

Das sei umso mehr schade, als es gelungen sei, "Hochkarätiges" in der Schau zu versammeln, sagt Sulzenbacher. Etwa den weltweit offenbar einzigen noch existierenden Rosa Winkel aus dem Wa 4. Spalte shingtoner Holocaust Memorial Museum: jenes Zeichen, das schwule Männer in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern tragen mussten. Ebenso das Schriftstück mit der ersten Erwähnung des Begriffs "Homosexualität" um 1900. Sowie – unter dem Ausstellungskapitel Leidenschaften – "die Barbiepuppensammlung des Life- Ball-Organisators Gerry Keszler. (DER STANDARD-Printausgabe 22./23.10.2005)

Irene Brickner Geheimsache
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