Geplänkel zum Abschluss

23. Oktober 2005, 17:10
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Rassismus-Vorwürfe gegen FPÖ - Strache umwirbt Protestwähler - VP-Kandidatin: "SP und Grüne für Religiöse unwählbar"

Wien - Im Zeichen von Parteiengeplänkel ist am Freitag der letzte offizielle Wahlkampftag in Wien gestanden. Abgesehen von einer ÖVP-Abtreibungsgegnerin, die religiösen Menschen vom Wählen der SPÖ und der Grünen abriet, setzte es vor allem Kritik an der FPÖ. Deren Obmann Heinz-Christian Strache präsentierte seine Fraktion als "einzige Oppositionspartei". Die ÖVP wiederum setzte erneut auf das Kontrollthema.

Für Freitagabend waren die letzten beiden Abschluss-Veranstaltungen vor der Gemeinderatswahl am kommenden Sonntag angesetzt. Die SPÖ baute dazu ein rund 1.000 Personen fassendes Zelt beim Burgtheater auf. Es zeichnete sich ein beträchtliches Gedränge ab, denn neben Bundesparteichef Alfred Gusenbauer hatten sich nach SP-Angaben rund 1.500 Besucher angemeldet. Das BZÖ lud - mit Bundesparteichef Jörg Haider als Stargast - in ein Veranstaltungszentrum in einem alten Floridsdorfer Fabriksgelände.

Häupl: "Solange mich die Leute wollen"

Wiens SPÖ-Chef Michael Häupl hat im Ö1-"Mittagsjournal" bekräftigt, Wiener Bürgermeister bleiben zu wollen - und zwar "so lange mich die Leute wollen". Einen Wechsel in die Bundespolitik schloss er aus. Alfred Gusenbauer werde SP-Spitzenkandidat für die nächste Nationalratswahl. "Und er wird auch der nächste Bundeskanzler werden", zeigte sich Häupl überzeugt.

FP-Chef Strache warb am Vormittag in einer Abschlusspressekonferenz um Protestwähler und das konservative Lager. Mit "Deutsch statt 'Nix versteh'n'" als "Integrations-Forderung" und "Damit der echte Wiener nicht untergeht" als "Positiv-Forderung" habe die FPÖ echte Themen gesetzt. Ein zweistelliges Ergebnis für seine Partei sei möglich, gab sich Strache siegesgewiss. Doch bereits ab acht Prozent Stimmenanteil am Sonntag könne man angesichts der Probleme der Vergangenheit von einem Erfolg sprechen.

Zuvor war die FPÖ mit Vorwürfen der Fremdenfeindlichkeit konfrontiert. Die Initiative Muslimischer Österreicher rief dazu auf, bei der Wahl Rassismus und Islamfeindlichkeit eine klare Absage zu erteilen. Die Aussagen von Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), der den Wahlkampf der Wiener FPÖ mit den Methoden der Nationalsozialisten in den 20er und 30er Jahren verglichen hatte, wurden von der Initiative begrüßt. David Lasar, IKG-Mitglied und FPÖ-Kandidat, wies die "Unterstellungen" Muzicants dagegen als "völlig haltlos" zurück.

Mehrere Haiders

Auch das BZÖ kritisierte die Freiheitlichen, und zwar wegen mehrere Kandidaten namens "Haider" auf der FPÖ-Liste. Dies sei ein "plumper Versuch einer Wählertäuschung", meinte man beim Bündnis. Die SPÖ bezeichnete wiederum die FPÖ-Homepage als "Tummelplatz für Rechtsradikale". Die Freiheitlichen vermuteten hingegen, dass hinter rassistischen Postings Gegner aus dem "linken Bereich" stecken könnten.

ÖVP-Kandidatin sorgt für Aufregung

Für Aufsehen sorgte erneut Gudrun Kugler-Lang, Abtreibungsgegnerin auf dem 18. Landeslistenplatz der ÖVP. Sie verurteilte "radikale AbtreibungsbefürworterInnen", riet religiösen Menschen vom Wählen der SPÖ und der Grünen ab und sah sich "voll auf dem Boden des ÖVP-Grundsatzprogramms". Die Wiener SPÖ forderte daraufhin erneut die Streichung Kugler-Langs von der ÖVP-Liste. (APA)

  • Strache muss im Wahlkampf-Finale nicht nur verbale Kritik einstecken. In der Stadt werden Persiflagen auf die FPÖ-Wahlplakate affichiert, wie z.B. diese von raketa.at.
    foto: purkarthofer

    Strache muss im Wahlkampf-Finale nicht nur verbale Kritik einstecken. In der Stadt werden Persiflagen auf die FPÖ-Wahlplakate affichiert, wie z.B. diese von raketa.at.

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