Handels-KV-Gespräche auf November vertagt

7. November 2005, 19:56
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GPA: Unzumutbare Positionierungen der Arbeitgeber - Gehaltsrechtliche Forderungen im Mittelpunkt der nächsten Gesprächsrunde

Wien - Die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 450.000 Beschäftigte im Handel sind am Freitag ohne Ergebnis unterbrochen worden. "Die völlig unzumutbaren Positionierungen der Arbeitgeber machten ein Ergebnis in dieser Runde unmöglich", teilte der für den Handel zuständige Wirtschaftsbereichssekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Manfred Wolf am Freitag mit.

Fortsetzung am 10. November

Die Kollektivvertragsverhandlungen im Handel seien auf Wunsch der Gewerkschaft unterbrochen worden, betonte der Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite, Alois Wichtl. Die Verhandlungen sollen am 10. November wieder aufgenommen und fortgesetzt werden.

Im Vordergrund der heutigen rund zweieinhalb Stunden dauernden Gespräche standen laut Wichtl die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen und noch nicht so sehr die gehaltsrechtlichen Fragen. Darüber soll bei der nächsten Gesprächsrunde in drei Wochen gesprochen werden.

Ein Abschluss deutlich unter der Inflationsrate würde für eine ohnehin deutlich unter dem mittleren Einkommen liegende Beschäftigtengruppe eine "massive Verschlechterung und reale Gehaltskürzung", bedeuten, so der Vorsitzende des Wirtschaftsbereiches Handel, Felix Hinterwirth. Die Einkommensdisparitäten würden noch größer werden. Gerade im Handel seien besonders viele Beschäftigte in den niedrigen Gehaltsgruppen eingestuft. Über ein Viertel der Angestellten, großteils Frauen, sind außerdem Teilzeit beschäftigt, was das Einkommensniveau zusätzlich nach unten drücke.

Drohung mit "öffentlichen Aktionen"

"Sollten die Arbeitgeber bis zur nächsten Runde nicht mit einem neuen, akzeptablen Angebot an uns herantreten, ist mit öffentlichen Aktionen zu rechnen", drohen die Arbeitnehmervertreter. "Wir erfahren schon jetzt eine große Solidarisierung mit den Anliegen der Handelsangestellten, die weit über den gewerkschaftlichen Bereich hinausgeht", so Wolf.

Die Gewerkschaft will wie berichtet vor dem nächsten Verhandlungsdoppeltermin am 10. und 11. November eine Betriebsrätekonferenz einberufen. Die Handelsgewerkschaft in der GPA fordert eine reale Lohnerhöhung und eine Arbeitszeitverkürzung. Für die Arbeitgeber kommt eine Arbeitszeitverkürzung nicht in Frage, sie verweisen auf das schwache Wachstum im Einzelhandel von lediglich 0,1 Prozent bis August.

Basis für die Lohnfindung ist die Inflationsrate von 2,4 Prozent. Die Inflation im Einzelhandel betrage allerdings nur 1,1 Prozent, meinte Rolf Gleißner von der Wirtschaftskammer (WKÖ) zur APA. Dem Einzelhandel sei es nicht gelungen, die Preise im Ausmaß der Inflationsrate anzuheben. Das Argument, dass höhere Löhne den Konsum steigern, lässt Gleißner nicht gelten. Bei einer Gehaltserhöhung von 100 Euro fließen maximal 20 Prozent in den Handel.

Forderungspaket der Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben jedenfalls mit einem eigenen Forderungspaket gekontert. Sie wollen eine Erleichterung bei der Wochenendbeschäftigung, wie eine Lockerung bei der Schwarz-Weiß-Regelung am Samstag, wonach Mitarbeiter grundsätzlich nur jeden zweiten Samstag eingesetzt werden dürfen. Weiters wünschen sich die Unternehmer eine monatliche Kündigungsfrist statt wie derzeit zum Quartal. Darüber hinaus sollen auch Teilzeitkräfte die Arbeitszeit blocken können. Bei Vollzeitbeschäftigten ist derzeit eine 4-Tages-Woche möglich.

Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner bereits in der zweiten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag. Die Mindestlöhne wurden um durchschnittlich 2,1 Prozent angehoben. Heuer will man eine kräftigere Gehaltserhöhung durchsetzen, Messlatte ist der Metallerabschluss von 3,1 Prozent. (APA)

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