FMA durchleuchtet Kreditakten

21. Oktober 2005, 18:50
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Die ad hoc eingeleitete Vor-Ort-Prüfung der BAWAG durch die Finanzmarktaufsicht begann anstelle von Montag schon heute

Wien - Weil der Finanzmarktaufsicht (FMA) bei der Vergabe des umstrittenen Kredits an die mittlerweile insolvente US-Brokerfirma Refco und an eine Firma des Ex-Chefs von Refco auch nach dem gestrigen Sonderausichtsrat der Bawag zu vieles unklar ist, wird die ad hoc eingeleitete Vor-Ort-Prüfung der BAWAG vorgezogen. Die Prüfungen beginnen schon heute. Ab 14 Uhr sind die Revisionsexperten der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank zur Vor-Ort-Prüfung der Kreditakten und vor allem zur Refco-Kreditvergabepraxis im Haus der Bawag in Wien. Bisher war deren Start für Montag geplant.

Großkreditakten werden durchleuchtet

In der Vor-Ort-Prüfung durchleuchten die externen Bankrevisionsexperten alle Großkreditakten, vor allem aber den in der Causa Refco. Dafür sind ein halbes Dutzend Experten von der Nationalbank und drei Experten von der FMA selbst abgestellt. Die Prüfung wird aus heutiger Sicht rund zwei Wochen umfassen, zusammen mit der Arbeit an den Prüfberichten sollte der Untersuchungs-Prozess längstens fünf Wochen dauern.

FMA-Vorstand Heinrich Traumüller will die Ad-hoc-Untersuchungen in der Gewerkschaftsbank "so schnell wie möglich" durchgezogen haben. "Das duldet keinen Aufschub", begründete er am Freitag gegenüber der APA die vorgezogene Prüfung. Die Situation erfordere diesen Schritt, auch im Sinne der Bank.

Durcharbeiten

Es werde auch das ganze Wochenende durchgearbeitet, allenfalls auch das nächste, und die Bank habe sicher gestellt, dass jederzeit Ansprechpartner verfügbar sind. Mit dem Ergebnis der gestrigen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Bawag war die Finanzaufsicht nicht zufrieden. Man habe auf Klärung offener Fragen gehofft. Was nicht passiert sei, im Gegenteil.

Traumüller hofft, in zwei bis drei Wochen mit dem Prüfprozess fertig zu sein. "Dann wird über Konsequenzen zu reden sein oder auch nicht". Das entscheide sich ausschließlich nach dem Prüfbericht.

Zu klärende Fragen

Da wird aufscheinen, ob sich die Bankverantwortlichen bei dem Schnellkredit an Refco an gesetzliche Normen, Meldepflichten und interne Kreditvergabe-Vorgaben gehalten hat. Nachdem heute Mittag das Prüfverfahren beginnt, werde die FMA als Behörde aus Gründen der Amtsverschwiegenheit vorläufig auch keine Stellung mehr nehmen.

Heute waren alle für den Refco-Kredit zuständigen Vorstände der Bawagunter Vorsitz von Johann Zwettler in der FMA vorgeladen. Da wurden auch Worst-Case-Szenarien durchbesprochen, also die Folgen eines möglichen Totalausfalls des 425-Millionen-Kredits in der Causa Refco. Auch einen Totalausfall dieses Kredits würde die BAWAG aus eigener Kraft wirtschaftlich ohne Probleme verdauen, heißt es.

Keine Panikmache

Auch die FMA warnt hier explizit vor Panikmache. Es schaue gut aus, die BAWAG werde auch heuer wieder Gewinn machen, berichtete Traumüller nach dem Gespräch mit den Vorständen.

Sobald die Ergebnisse vorliegen, gibt es wieder eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates der BAWAG, heißt es heute zur APA. Da müssen dann allfällige Konsequenzen gezogen werden.(APA)

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    montage: derstandard.at
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