Problemzone Linzer Altstadt weitet sich aus

21. Oktober 2005, 19:25
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Geschäftsleute klagen über Gewalt, Alkohol und Dreck auf dem Taubenmarkt - Bürgermeister spricht von "Obdachlosen-Hatz"

Linz - Ein Lokalaugenschein auf dem Taubenmarkt im Stadtkern von Linz lässt erahnen, was umliegenden Geschäftsleuten sauer aufstößt. Die Parkbänke sind schon am Vormittag Anziehungspunkt für ein Publikum, das sich bereits zu früher Stunde und sichtlich illuminiert lautstark bemerkbar macht.

Was Passanten dazu bringt, die Straßenseite zu wechseln, hat jetzt die Geschäftsinhaber veranlasst, gemeinsam etwas zu unternehmen. "Es ist einfach nicht mehr auszuhalten. Unsere Geschäftsportale werden als Toiletten benutzt, Schlägereien und Sachbeschädigungen stehen auf der Tagesordnung. Wir brauchen auch täglich polizeiliche Hilfe", klagt Werner Neugebauer von der gleichnamigen Buchhandlung. Auch McDonald's-Franchisenehmer Robert Hinterholzer bangt um seine Kunden: "Meine Gäste werden am helllichten Tag angepöbelt, Glasscheiben wurden zertrümmert. Es ist mittlerweile einfach furchtbar". Die Geschäftsleute haben die üblichen Verdächtigen deshalb fotografiert und die Bilder in ihre Auslagen gehängt.

Burger gegen Würstel

Einen Schuldigen für die triste Situation auf dem Taubenmarkt haben die Geschäftsleute bereits ausgemacht. Eine Würstelbude würde auch an Betrunkene Alkohol ausschenken und unter den Punks und Skinheads Stimmung gegen die Anrainer machen. Hinzu komme, dass jene Obdachlosen, die vor dem Kunstmuseum Lentos lange Zeit ihr Quartier aufgeschlagen hatten, dank Platzverweis jetzt auf den Taubenmarkt umgezogen sind.

Würstelstandbesitzer Georg Auinger sieht sich im STANDARD-Gespräch als Opfer einer Burger-Intrige: "Ich lass mir nichts in die Schuhe schieben. Unseren Stand gibt es seit 90 Jahren und noch nie haben wir irgendeine Anzeige bekommen. Ich kann doch nichts dafür, wenn die Sandler den Taubenmarkt bevölkern. Wir hetzten niemanden auf und schenken auch an Betrunkene keinen Alkohol aus. Obwohl die betroffenen Geschäftsleute stets ein Gespräch verweigerten, bringe er, Auinger, einen Konsensvorschlag: "Ab erstem November wird pro Gast am Stand nur mehr ein Bier verkauft".

Von der Stadt fühlen sich die Geschäftsleute auf dem Taubenmarkt im Stich gelassen: "Wir haben dem Bürgermeister einen gemeinsamen Brief geschrieben - auf die Antwort warten bis heute", ärgert sich Hinterholzer.

Auf STANDARD-Anfrage kritisierte das SP-Stadtoberhaupt Franz Dobusch vor allem die Eigeninitiative der Betroffenen. "Bei allem Verständnis, bei dieser Hatz gegen Obdachlose und sozial Schwache spiele ich sicher nicht mit. Fotos in die Auslagen zu hängen schürt nur den Widerstand", so Dobusch. Man bemühe sich, einerseits Verunreinigungen stets zu beseitigen, anderseits wolle man, so der Bürgermeister, jetzt verstärkt Streetworker einsetzten, um die Lage zu entspannen.

Die Polizei sieht sich machtlos: "Wir kennen natürlich das Problemgebiet Taubenmarkt und werden öfter gerufen. Da es sich aber um einen öffentlichen Platz handelt, können wir nicht einschreiten, nur weil einer mit grünen Haaren da steht. Da muss schon mehr passieren", so Polizeisprecher Alexander Niederwimmer. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Oktober 2005)

  • Auf dem Linzer Taubenmarkt seien zu viele schräge Vögel unterwegs, meinen die Geschäftsleute. Dem Bürgermeister geht deren Eigeninitiative zu weit.
    foto: rohrhofer

    Auf dem Linzer Taubenmarkt seien zu viele schräge Vögel unterwegs, meinen die Geschäftsleute. Dem Bürgermeister geht deren Eigeninitiative zu weit.

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