Gasprom-Deal unter der Lupe

7. November 2005, 13:30
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Russische Gasprom wirft immer neue Fragen auf - Starke österreichisch-italienische Achse in dubiosem Gasgeschäft

Die russische Gasprom wirft immer neue Fragen auf. Ökonomen rätseln, warum die Raiffeisen Invest AG neben der Gasprombank 50 Prozent am Transitkonsortium RosUkrEnergo hält, das den Export turkmenischen Gases in die Ukraine abwickelt.

Der ukrainische Geheimdienst glaubt, dass RosUkrEnergo unter indirekter Kontrolle von Semjon Mogilevitsch steht. Mogilevitsch ist Ukrainer, steht wegen Erpressung und Geldwäsche auf der FBI-Fahndungsliste und gilt international als eine der bedeutendsten Figuren der Organisierten Kriminalität.

Nun sind neue Fragezeichen aufgetaucht. Im Sommer hatte Gasprom mit Italiens Eni einen Sensationsvertrag erzielt. Erstmals kann Gasprom in einem EU-Land Gas in Umgehung des europäischen Partners selbst an die Endkunden verkaufen. Laut Vertrag würde der Verkauf in Italien von der Firma Central Italien Gas Holding (CIGH) abgewickelt, die auch die Transportrechte durch Österreich hat.

Fragen über Fragen

Italienische Abgeordnete haben nun eine Untersuchung des Deals verlangt. Sie vermuten Amtsmissbrauch: Einer der CIGH-Gründer ist Bruno Mentasti Granelli, Ex-Partner von Regierungschef Silvio Berlusconi im TV-Geschäft. Granelli hat Berlusconis Interesse am Deal bestätigt, jedoch bestritten, dessen Strohmann zu sein.

Wie das russische Wirtschaftsblatt Vedomosti nun von einem Gasprom-Manager erfuhr, ist Mentasti nicht der einzige Gasprom-Partner bei diesem Deal. Er hält 33 Prozent an CIGH, 27 Prozent die deutsche "Gasexport"-Tochter ZMB. Die übrigen 40 Prozent würden der österreichischen Centrex Group gehören. Diese sei 2003 von der österreichischen Gasprombank-Tochter I.D.F. Anlagegesellschaft und dem Investfond R.N. Privatstiftung gegründet worden. Einer der Begünstigten des Investfonds sei Robert Novikovski, Besitzer des Handelsunternehmens Jurimex, das bis vor kurzem mit dem von Gasprom demontierten, aber wiedererstandenen Wahlösterreicher Jakow Goldowski eine Yukos-Raffinerie in Litauen erwerben wollte.

Kooperation

Laut weißrussischer Medien belieferte Novikovski seit 1991 satte 20 Prozent der weißrussischen Raffinerien mit russischem Öl. Daher rühre laut Vedomosti eine andere Kooperation, nämlich mit Andrej Akimov, nunmehr Chef der Gasprombank.

Unverständlich für Analysten ist, warum Gasprom seine Verkaufserlöse mit Privatunternehmern teilen will. Ausgehend davon, dass der Einzelhandelspreis für 1000 Kubikmeter Gas in Italien bei 468 Dollar liegt und Eni das Gas um maximal 200 Dollar kauft, könnten die neuen Gasprom-Partner jährlich 200 bis 250 Mio. Dollar einstreifen, die österreichischen Partner mindestens 40 Mio. Dollar. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.10.2005)

Eduard Steiner aus Moskau
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