Hermann Maier wird gewinnen

16. November 2005, 11:41
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Die Sportpsychologen glauben an den "Herminator" uns seine Fähigkeit mit Verletzungen fertig zu werden: "Er verdrängt den Schmerz"

Wien/Graz - Stürze hin, Verletzungen her, zwei Experten sind sich einig: Hermann Maier wird auch in diesem Winter siegen. Wolfgang Dantler, Sportpsychologe aus Wien: "Ein Sportler wie Hermann Maier kann mit Verletzungen sehr gut umgehen, ja, er kann Schmerzen für eine bestimmte Zeit sogar verdrängen." Noch immer spürt Maier im linken Sprunggelenk die Folgen jenes Trainingssturzes in Neuseeland, der stark an seinen Nagano-Salto 1998 erinnert hatte.

Schuh gibt Halt Seither hat Maier Probleme beim Gehen. Beim Skifahren sollte ihn diese Blessur allerdings nicht all zu stark behindern. "Die Skifahrer stehen extrem fest in ihrem Schuh", sagt Dantler. So könne es vielleicht Probleme beim Einstieg in den Schuh geben, weniger aber beim Fahren selbst. "Das Sprunggelenk sollte durch die Fixierung keine so große Bedeutung haben." So werde Maier unterwegs nicht an die Verletzung denken müssen.

Maier selbst sieht die Verletzung sogar positiv. "So was ist ein echter Aufwecker, so was hält mich jung", kommentierte er seine Neuseeland-Brez'n. "Ich hätte nie gedacht, dass eine Torflagge solche Widerstandskraft hat. Es war wie ein Gummiballeffekt."

Der Grazer Sportpsychologe Alois Kogler, der unter anderem den steirischen Skikader betreut, weiß, dass Maier keine psychologische Betreuung in Anspruch nimmt. "Die Leute in Maiers Umfeld sind alle hochkompetent. Die wissen, wie man mit Motivation und Niederlagen umgeht, auch wenn sie keine ausgebildeten Psychologen sind." So werden die ÖSV-Trainer laufend geschult, dabei gehe es auch um Sportpsychologie, dadurch verfügen die Betreuer über ein gewisses "Basis-Knowhow" auf diesem Gebiet.

Kogler meint ebenso wie sein Kollege Dantler, dass Spitzensportler vom Format eines Hermann Maier Verletzungen gut wegstecken können. "Wenn die Ziele sehr wichtig sind, kann man Niederlagen auf jeden Fall sehr gut verarbeiten." Der Grundtenor der beiden Psychologen lautet daher, dass Maier durch die Verletzung nicht stark beeinträchtigt sein wird.

Insider gibt Tipp ab

Für Kogler, den Insider, sind die Österreicher "top". Auch die Amerikaner, die er gut kenne, schätzt er sehr stark ein. "Und die Italiener werden ab und zu mitmischen." Das große Fragezeichen aus Koglers Sicht ist der Finne Kalle Pallander, bei den Norwegern und Schweizern geht er davon aus, dass neue Strukturen geschaffen werden. (Felix Cerny, Sven Haidinger - DER STANDARD PRINTAUSGABE 21.10. 2005)

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