28 Autoren wurden laut PEN 2005 getötet und 202 inhaftiert

4. November 2005, 16:25
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Karin Clark: Anti-Terror-Gesetzgebung liefert totalitären Ländern Vorwand für weitere Einschränkungen der Meinungsfreiheit

Weltweit 28 Schriftsteller und Journalisten sind im ersten Halbjahr 2005 nach Darstellung des PEN-Zentrums Deutschland getötet worden. Zwölf weitere seien verschwunden, 202 verfolgt und inhaftiert, zehn entführt und 33 mit dem Tod bedroht worden, berichtete das Writers-in-Prison-Committee am Donnerstag. 59 Autoren wurden demnach anderweitig bedroht, 62 attackiert und 85 kurze Zeit in Haft genommen. Die Organisation setzte sich nach eigenen Angaben in der ersten Jahreshälfte für 699 Menschen in fast 100 Ländern ein.

Allein in der Türkei liefen Anklagen gegen fast 50 Autoren, Journalisten und Verleger, darunter gegen den diesjährigen Friedenspreisträger Orhan Pamuk. Der weltbekannte Schriftsteller muss sich am 16. Dezember vor einem Istanbuler Gericht wegen "öffentlicher Verunglimpfung des Türkentums" verantworten. Er hatte in Schweizer Medien die Morde an Armeniern zwischen 1915 und 1917 und die Tötung der Kurden seit 1985 angesprochen.

Die Anti-Terror-Gesetzgebung und -praxis habe gerade totalitären Ländern den Vorwand für weitere Einschränkungen der Meinungsfreiheit geliefert, sagte die Writers-in-Prison-Beauftragte des Deutschen PEN, Karin Clark. Internet-Autoren in China, Vietnam, Iran, Tunesien und vielen anderen Ländern würden zunehmend ins Visier genommen und mit langjähriger Haft bestraft. (APA/dpa)

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