Keine Konsequenzen vor Bericht der Bankaufsicht

9. November 2005, 10:16
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Aufsichtsrat hätte bei Kreditauszahlung eingebunden werden wollen - Vorstand: Betrug vor Auszahlung nicht absehbar

Wien - Der Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K. zieht aus dem Kreditskandal rund um das US-Brokerhaus Refco vorerst keine personellen Konsequenzen, will das aber nach Vorliegen des Gutachtens durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) weiter nicht ausschließen.

Der Vorstand habe geschlossen versichert, dass die rechtlichen Auflagen erfüllt worden seien. Der Aufsichtsrat habe dies zur Kenntnis genommen, vertrete aber die Ansicht, dass der Kreditausschuss des Aufsichtsrats über die Auszahlung des 350 Mio. Euro Kredits an Refco-Chef Phillip Bennett informiert werden hätte sollen, sagte BAWAG-Aufsichtsratspräsident und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger am Donnerstagabend nach viereinhalbstündigen Beratungen vor Journalisten.

"Sollte sich bei der Prüfung durch die FMA herausstellen, dass (entgegen der Meinung des Vorstands, Anm.) gesetzliche Richtlinien verletzt worden sind, wird der Aufsichtsrat daraus seine Schlüsse ziehen", so Weninger.

Aufsichtsrat bei Auszahlung nicht eingebunden

Der Aufsichtsrat der BAWAG P.S.K. hat laut Präsident Günter Weninger zuletzt am 25. November 2004 den Kreditlinien für Refco zugestimmt. Danach sei er erst nach Auszahlung am 10. Oktober wieder informiert worden, nachdem der Kredit ausbezahlt worden sei, sagte Weniger nach dem Sonderaufsichtsrat weiter.

Den genauen Ablauf skizzierte Weninger so: Am 5. Oktober habe Refco-Chef Phillip Bennett beim Vorstand telefonisch einen Kredit über 350 Mio. Euro beantragt, um mit den Mitteln - wie sich nachher herausstellte - einen bisher verheimlichten Kredit bei der Refco Inc über 420 Mio. Dollar (351 Mio. Euro) glatt zu stellen. Am 7. Oktober habe Bennetts Beteiligungsfirma die BAWAG kontaktiert, um die Kreditzahlung abzuwickeln. Am 9. Oktober habe der achtköpfige BAWAG P.S.K.-Vorstand geschlossen dem Kredit zugestimmt. Am Vormittag des 10. Oktober schließlich die Auszahlung erfolgt.

Der Vorstand habe versichert, dass der Betrug zum Zeitpunkt der Kreditauszahlung nicht absehbar gewesen sei. Erst zwei Stunden später habe das Management einen Agenturbericht aus den USA erhalten und daraufhin unmittelbar versucht, die Kreditauszahlung rückgängig zu machen. Dies sei jedoch nicht mehr möglich gewesen, berichtete Weninger von den Darstellungen des Vorstands.

Einen weiteren Kredit über 75 Mio. Euro hat die BAWAG bereits früher direkt an Refco verborgt. Das maximale Ausfallsrisiko beziffert die Bank weiterhin mit 425 Mio. Euro. "Mehr ist nicht festzustellen", so Weninger. Derzeit sei nicht mit einem Totalausfall zu rechnen. Selbst bei einem Totalausfall sei die BAWAG P.S.K. ausreichend gerüstet und werde heuer einen "erheblichen Gewinn" erzielen.

Der ÖGB, Alleineigentümer der BAWAG P.S.K., rechne daher auch für heuer mit einer Dividende von ihrer Bank. Ein Eigenkapitalzuschuss sei folglich nicht notwendig und auch die Einlagen der Kunden seien in keinster Weise gefährdet, versicherte Weniger.

Berichte, wonach mehrere Vorstände in der heutigen Aufsichtsratssitzung ihren Rücktritt angeboten hätten, wies der Präsident in Beisein von BAWAG-Chef Johann Zwettler am Donnerstagabend zurück. Auch, dass er selbst sich zurückziehen wollte, dementierte Weninger: "Meine persönlichen Pläne sind, dass ich bis 2008 Aufsichtsratsvorsitzender bleibe." (APA)

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