Musik macht Arbeit

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    foto: viennale

Deutscher Techno- und Elektronica-Acts, konzentriert beobachtet: Romuald Karmakars "Between The Devil and The Wide Blue Sea"

Romuald Karmakar setzt mit seinem jüngsten Dokumentarfilm "Between The Devil and The Wide Blue Sea" seine konzentrierte Beobachtung von Auftritten deutscher Techno- und Elektronica-Acts fort.


Zwei Männer hinter einer Konsole, rhythmisch bewegt, hinter ihnen eine Videoprojektion – ein bisschen sieht das aus, wie die Simulation von Autorennen, die man aus Spielhallen kennt. Aber die zwei Männer machen Musik, und in der ungewohnten Perspektive produziert die Umgebung dazu den Mehrwert.

Die zwei Männer sind zusammen Alter Ego – eine von neun musikalischen Formationen beziehungsweise Performern, die Romuald Karmakar in "Between The Devil and The Wide Blue Sea" insofern vorstellt, als er sie bei ihrer Arbeit zeigt. Der neue Dokumentarfilm schließt also gewissermaßen dort an, wo

"196 bpm" vor zwei Jahren mit "Hell at work" aufgehört hat – Karmakar hat seine filmische Begleitung von Auftritten deutscher Techno- und Elektronica-Acts seither fortgesetzt, und er hat sich dabei neuerlich für die Plansequenz als adäquate, konzentrierte Form der Aufzeichnung entschieden.

Am Anfang bleibt die Kamera noch statisch, bereits der zweite Auftritt (von Captain Comatose) öffnet jedoch sowohl das performative Spektrum wie er auch die Kamera (zurückhaltend) in Bewegung versetzt. Später muss der filmende Regisseur sich seinen Platz auf der Bühne erst suchen. Dabei gerät der Raum ins Bild und auch das Publikum – und der Film, der auf Kommentare oder Interviews verzichtet, wird so in der Folge auch etwas über ganz unterschiedliche Foren erzählen – vom kleinen räudigen Club bis zur Megadisco mit Nebel- und Lichtmaschinen.

Über Interaktion zwischen Künstler und Publikum, über Nähe und Distanz, über Acts, die sich mehr am klassischen Band-Line-Up orientieren oder andere, die ganz forciert als Performer agieren, wie etwa Cobra Killer oder T. Raumschmiere, der seine Geräte bearbeitet wie ein entfesselter Jerry Lee Lewis unserer Tage und selbst den Zuschauer im Kinositz noch affiziert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.10.2005)

Von Isabella Reicher

24.10., Gartenbau, 23.30

26.10., Stadtkino, 18.00

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