Kinderparlament Graz hat erstmals getagt

14. Juli 2006, 13:09
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Das verbindliche Mitspracherecht von Kindern in der Stadtpolitik ist das große Ziel des ersten Grazer Kinderparlaments

Graz - "Ich bin hier, weil ich etwas verändern will." Das Grazer Rathaus wurde am Dienstagnachmittag von Kindern besetzt, jedoch nicht aktionistisch, sondern parlamentarisch. Mehr als 100 Kinder nahmen am ersten Grazer Kinderparlament teil, das vom Kinderbüro Steiermark initiiert und von SP-Jugendstadträtin Tatjana Kaltenbeck-Michl unterstützt wird.

Bei der Auftakt-Veranstaltung des ersten Grazer Kinderparlaments belebten die Kinder den sonst düsteren Sitzungssaal des Rathauses - herausgeputzt und je nach Temperament vorlaut oder nervös. Nach der Rede von Bürgermeister Siegfried Nagl wurden die Teilnehmer in die Gruppen Bauen, Freizeit, Finanzen und Presse aufgeteilt. Das Konzept der Workshops war, Ideen zu sammeln und diese an zuständige Politiker weiterzuleiten.

No Parents, please
In der Gruppe Themen auszuarbeiten machte den Kindern sichtlich Spaß, doch Erwachsene hatten keine Chance zuzuschauen und wurden aus den Rathausräumen gescheucht. "Heute haben Eltern keine Zugangsberechtigung!" lachte eine Betreuerin und machte sanft die Tür zu.

In der Finanz-Gruppe erlernten die Kinder spielerisch "was die Welt kostet", in der "Kesse Presse"-Gruppe durften sie eine eigene Zeitung gestalten. Bei der Wahl der Arbeitsgruppe war auch der Berufswunsch entscheidend: "Ich will Politikerin werden," sagte die zwölfjährige Laura.

Das Kinderparlament in der Schweiz, das es dort bereits seit zehn Jahren gibt, diente als Vorbild. Die Acht- bis 14-Jährigen sollen durch Mitbestimmung lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

"Unser Ziel ist, das verbindliche Mitspracherecht der Kinder gesetzlich zu verankern," sagte Heidi Jursitzky vom Kinderbüro. Bürgermeister Nagl verspricht: "Ideen werden nicht in der Schublade verschwinden, sondern von den Politikern ernsthaft behandelt."

Beim nächsten Treffen im Dezember soll eine Kinderbürgermeisterin oder ein Kinderbürgermeister gewählt werden. Die vier Arbeitsgruppen bleiben bestehen, neue Gruppen und interessierte Kinder können immer dazukommen. (DER STANDARD-Printausgabe, 20.10.2005)

Von Marijana Miljkovic

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www.kinderbuero.at

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