Österreichs Bundeskanzlerinnen in spe

20. Oktober 2005, 20:03
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Beim Start vom zweiten Durchgang von "genderize!" trafen Mentorinnen auf Mentees und waren sich einig: Zukunft muss gendergerecht sein

Wien - Angela Merkel war DAS Pausenthema beim Start des zweiten Durchgangs von genderize!, dem Mentoringprojekt der Bundesjugendvertretung (BJV). Ob Österreich reif für eine Bundeskanzlerin sei, darüber gingen die Meinungen auseinander. Über eines waren sich jedoch alle einig: Bis dahin gäbe es noch viel zu tun. Vergangenen Samstag startete der zweite Durchgang des Mentoringprojekts der Bundesjugendvertretung. 22 politisch interessierte und tolle junge Frauen trafen erstmals ihre Mentorinnen, allesamt erfolgreiche und engagierte Politikerinnen und NGO-Vertreterinnen: Margit Appel (Kath. Sozialakadademie), Amina Baghajati (SOS Mitmensch), Gertrude Brinek (ÖVP), Renate Csörgits (ÖGB), Gertrude Eigelsreiter-Jashari (Südwind NÖ), Karin Gastinger, (Justizministerin, BZÖ), Elisabeth Grossmann (SPÖ), Dagmar Hackl (BMBWK, ÖVP), Nasra Hassan (Director United Nations Information Service and Spokesperson UNO), Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), Brigitte Hornyik (Frauenring, Verein österreichischer Juristinnen), Sabine Mandak (Grüne), Ingrid Nikolay-Leitner (Gleichbehandlungsanwältin, BMGF), Anita Oppolzer (Naturfreundejugend), Theresa Philippi (BMGF), Barbara Prammer (2. NR-Präsidentin, SPÖ), Heidemarie Rest-Hinterseer (Grüne), Marie Ringler (Grüne), Michaela Sburny (Grüne), Bettina Stadlbauer (SPÖ), Terezija Stoisits (Grüne) und Heike Trammer (BZÖ).

Einstieg in das Feld der Politik

"Wir wollen mit genderize! junge Frauen unterstützen, vernetzen und bestärken. Unser Ziel ist es, jungen Frauen einen Einblick und Einstieg in das Feld der Politik zu ermöglichen", betont Anja Fellerer, Sprecherin der Bundesjugendvertretung (BJV). Das genderize!-Netz funktioniert: Die Mentees aus dem ersten Durchgang vernetzen munter weiter, die neuen Mentees bekommen Einblick in das politische Leben ihrer Mentorin, bereichern einander und ihre Mentorinnen mit ihren Perspektiven, und Daniela Reiter, Genderbeauftragte der Bundesjugendvertretung, hat alle Hände voll zu tun. "Es gibt zwar noch lange keine Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Österreich, davon ist Österreich meilenweit entfernt, aber wir arbeiten dran", zeigt sich Fellerer optimistisch.

Gender und Bildung, die Zukunftsthemen

Über alle Parteigrenzen hinweg waren sich die Spitzenpolitikerinnen schließlich einig: Wenn sie Bundeskanzlerin wären, würden sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ganz oben auf die Agenda stellen, antworteten Bettina Stadlbauer (SPÖ), Terezija Stoisits (Grüne) und Heike Trammer (BZÖ) unisono: Unternehmen und die Wirtschaft seien hier gefordert, zuerst aber müssten politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Müttern und Vätern gleichermaßen ermöglichen, zu arbeiten und sich um die Kinder zu kümmern. Aliette Dörflinger, Mentee mit französischer Mutter, hat außerösterreichische Erfahrungen: "Frankreich zeigt vor, dass beides möglich, vollkommen normal und gesellschaftlich breit akzeptiert ist: Kinder zu haben und einem Beruf nachzugehen." VP-Abgeordnete Gertrude Brinek unterstrich, wie wichtig es sei, dass Frauen ihren weiblichen Erfahrungshorizont in Politik und Wirtschaft einbringen. Und für Terezija Stoisits, NR-Abgeordnete der Grünen, ist Gender DAS Zukunftsthema neben Bildung.

Zeit für eine Bundeskanzlerin

"Das muss man sich vor Augen halten: Im EU-Schnitt verdienen Frauen 27-32 Prozent weniger als Männer. Österreichs Frauen verdienen im Schnitt um 44 Prozent weniger als die Männer", zitiert Fellerer Daten aus einer WU-Studie über die immer größer werdende Einkommensschere. Und so ging es dann neben Angela Merkel auch um Themen wie Männermacht - Frauenmacht, Chancengleichheit, Schubladisierungen und darum, dass Frauen in Österreich bei weniger Lohn 2-3-mal besser, engagierter, zäher, flexibler sein müssen als Männer. "Männer reden mehr, mit Frauen geht eindeutig mehr weiter", waren sich die Politikerinnen über die Parteigrenzen hinweg wieder einig.

Mentees und Mentorinnen sind einer Meinung: Die Zukunft muss gendergerecht sein, damit es allen besser geht. Der Wunsch: Eine Trendwende in der Frauenpolitik. Es wird auch hierzulande Zeit für eine Bundeskanzlerin. Mindestens. (red)

  • Mentoring ist ein erprobtes und äußerst wirkungsvolles Instrument der gezielten Förderung junger Frauen, das sich den individuellen Bedürfnissen der Lernenden (=Mentee) anpasst, indem ihr eine erfahrene Expertin (=Mentorin) zur persönlichen Unterstützung zur Seite gestellt wird.
    bild: genderize! logo
    Mentoring ist ein erprobtes und äußerst wirkungsvolles Instrument der gezielten Förderung junger Frauen, das sich den individuellen Bedürfnissen der Lernenden (=Mentee) anpasst, indem ihr eine erfahrene Expertin (=Mentorin) zur persönlichen Unterstützung zur Seite gestellt wird.
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