Schwierige Tests für Drogenlenker

1. November 2005, 19:22
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Schnelltestgeräte viel zu ungenau - Probleme bei Polizeiverfahren

Leogang - Bekifft hinterm Steuer, im Vollrausch am Volant: legale und illegale Drogen im Straßenverkehr lösen stets besondere Ängste aus - offiziell war im Vorjahr bei 6,6 Prozent aller Unfälle Alkohol im Spiel. Während es für diese Droge umfangreiche Testmöglichkeiten, wissenschaftliche Studien und Strafen gibt, bleibt bei verbotenen Substanzen ein Graubereich. Und der wird noch länger bestehen bleiben, stellte sich bei den "Österreichischen Sicherheitstagen" im Salzburger Leogang heraus.

1134 Drogenlenker wurden im Vorjahr von der Exekutive erwischt, bei den Alkofahrern waren es rund 38.000 Personen. Allerdings: International liegt das Verhältnis bei 1 zu 10 - es müssten also eigentlich 3800 Drogenlenker in der Anzeigenstatistik aufscheinen, gibt Irmgard Üblagger, Chefärztin bei der Bundespolizei Salzburg zu bedenken.

Nur Blutuntersuchung zuverlässig

Ob ein Autofahrer aber überhaupt Drogen genommen hat, ist nur mit einer Blutuntersuchung wirklich konkret nachweisbar - was aber wiederum über die Verkehrstüchtigkeit nichts aussagt, da sich manche Substanzen sehr lange nachweisen lassen. Ein Problem, dass sich auch bei einem freiwilligen Versuch mit 100 Drogenabhängigen zeigte, die im Wiener AKH in Behandlung waren.

Die Resultate der Blutuntersuchung wurden dabei mit den Ergebnissen des so genannten Drogencheckformulars, das die Exekutive verwendet, einem verkehrspsychologischen Reaktionstest am Computer sowie Drogenschnelltestgeräten verglichen.

Keine verwertbaren Ergebnisse

Zumindest letztere kommen für Projektleiter Hans-Jürgen Battista derzeit nicht für einen Polizeieinsatz in Frage: in vielen Fällen lieferten sie gar keine verwertbaren Ergebnisse. Und gab es ein Resultat, war es beispielsweise bei Cannabis in 17 Prozent der Fälle falsch positiv - also Alarm ohne Konsum.

Das exekutive Drogencheckformular hat aber auch Lücken: Über ein Drittel der Probanden wurde im Vergleich zum Reaktionstest am Computer falsch beurteilt. Sieben Prozent falsch positiv, und gleich 27 Prozent der Getesteten, die am Computer durchfielen, wurden vom Polizeitest nicht erkannt - hätten also weiterfahren dürfen. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Oktober 2005)

  • Ob jemand unter Einfluss von illegalen Drogen hinter dem Lenkrad sitzt, ist wissenschaftlich schwer nachzuweisen. Bei Alkohol hingegen gibt es genaue Grenzwerte.
    foto: standard/fischer

    Ob jemand unter Einfluss von illegalen Drogen hinter dem Lenkrad sitzt, ist wissenschaftlich schwer nachzuweisen. Bei Alkohol hingegen gibt es genaue Grenzwerte.

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