Verzetnitsch schließt personelle Folgen nicht aus

9. November 2005, 10:14
14 Postings

"Bei Missständen", ÖGB hat aber weiter "keine Zweifel" an Bawag-Kreditvergabe an insolventen US-Rohstoffhändler - Warnung vor Vorverurteilungen

Brüssel - ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch hat weiter "keine Zweifel", dass bei der Vergabe des 425-Millionen-Euro-Kredits der Gewerkschaftsbank Bawag/P.S.K. an den insolventen amerikanischen Rohstoffhändler Refco alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Er habe aber "kein Problem, wenn Missstände aufgezeigt werden, mich von Personen zu verabschieden", sagte Verzetnitsch heute und verwies neuerlich auf die Verantwortung des Vorstandes.

"Nicht auf Zurufe reagieren"

Er werde jedoch nicht "auf Zurufe reagieren" oder "Bauernopfer bringen" und sich nicht die täglichen Geschäfte der Bank einmischen. Er sei nicht bereit Vorverurteilungen zu treffen, "wie das von der Jagdgesellschaft verlangt wird".

"Ich gehe davon aus, das die Bawag im Sinne des österreichischen und internationalen Rechts einen Kredit vergeben hat", betonte Verzetnitsch am Rande einer Veranstaltung des Europäischen Gewerkschaftsbundes, dessen Vizepräsident er ist, am Donnerstag früh vor Journalisten in Brüssel.

Dass sich die Gewerkschaft von ihrer Bank verabschieden könnte, steht für Verzetnitsch nicht zur Diskussion.

"Ich stehe zu dem Eigentum, im Gegensatz zu dieser Regierung, die sich von ihrem Eigentum gerne verabschiedet". Die Bank habe dem Gewerkschaftsbund bisher "gute Dienste" geleistet. Außerdem habe hätte ein anderer Eigentümer möglicherweise nicht dafür gesorgt, dass die P.S. K. in österreichischer Hand geblieben sei.

"Coolness bewahren"

Verzetnitsch plädierte im Vorfeld der Sonderaufsichtsratssitzung am Donnerstagnachmittag dafür "Coolness bewahren und Fakten auf den Tisch und dann entscheiden". Er begrüßte auch neuerlich die Prüfung der Kreditvergabe durch die Finanzmarktaufsicht (FMA), die bei Krediten in dieser Höhe üblich sei.

Er lasse aus der Sache keinen Skandal machen, "das ist kein Herberstein und keine Klagenfurter Seefestspiele". Auf die Drohung von Vizekanzler Hubert Gorbach, der Staat könnte die Konten abziehen, meinte der ÖGB-Präsident nur: "Sind wir ein Bananenstaat?" Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte noch gestern Abend die Drohung bereits relativiert.

Der frühere Bawag-Vorstandschef Helmut Elsner, unter dessen Amtszeit die Bawag sich mit 10 Prozent an dem US-Rohstoffhändler beteiligt hatte, sei nicht in Kreditvergabe involviert, "das ist mein Wissensstand", sagte Verzetnitsch auf Journalistenfragen. (APA)

Share if you care.