PISA-Chef Haider: Nicht der Wurf, den wir brauchen

7. März 2006, 17:37
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Kritik auch von Salzburgs Landesschulrats- Präsident an den geplanten Pädagogischen Hochschulen - "Nicht nachvollziehbar"

Salzburg - Kaum ein gutes Haar am Entwurf zum Schulpaket II aus dem Ressort von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) ließen am Donnerstag der Salzburger Landesschulrats-Präsident Herbert Gimpl (S) und der Leiter der Zukunftskommission und Österreich-Verantwortliche für die PISA-Studie, Günter Haider. "Es ist nicht der Wurf, den wir brauchen", sagte Haider bei einem Pressegespräch in Salzburg. Er ortet "Widerstand in der ganzen pädagogischen Landschaft".

Nicht umgesetzt

Bei den geplanten Pädagogischen Hochschulen würden alle fünf zentralen Empfehlungen der Zukunftskommission nicht umgesetzt. Diese seien wieder nicht voll universitär, womit Österreich im internationalen Vergleich Schlusslicht bleibe, so Haider. Der Ausbau der Forschung sei nicht vorgesehen, es gebe weiterhin keine einheitliche Hochschule für sämtliche pädagogischen Bereiche, keine Qualitätsverbesserung und auch keine Entpolitisierung und Selbstverwaltung.

Der größte Hebel zur Qualitätsverbesserung in den Schulen sei die Lehrerbildung und -Fortbildung, und diese werde mit dem geplanten Gesetz nicht verbessert, so Haider. In einigen Bereichen brächte dieses Gesetz sogar Rückschritte. Bereits vor einigen Wochen hatte der Schulexperte massive Kritik an der Umsetzung der Vorschläge der Zukunftskommission geäußert und damit eine heftige Diskussion ausgelöst.

Nicht akzeptabel

"International bleibt Österreich damit hinten dran", meinte Gimpl. Er kritisierte ebenfalls, dass die Pädagogischen Hochschulen kaum universitären Charakter hätten und die Rektoren nicht einmal Akademiker sein müssten. Nicht akzeptabel sei auch die Zusammensetzung des Hochschulrates, in dem gleich drei der fünf Mitglieder Vertreter des Bildungsministeriums sein sollen, wodurch es zu einer vollständigen Abhängigkeit vom Bund käme.

Auch für Gimpl wird die Fort- und Weiterbildung im Entwurf stiefmütterlich behandelt. Bedenklich fand er auch, dass nur mehr die Studiengänge für Volks- und Hauptschulen verpflichtend seien, während die Ausbildung zum Lehrer für Sonderschulen oder für den Polytechnischen Lehrgang nur mehr angeboten werden kann. Auch Übungsschulen seien nicht mehr verpflichtend vorgeschrieben.

Die Schaffung eines Bundesinstitutes für Bildungsforschung wird vom Salzburger Schulratspräsidenten begrüßt, "nicht nachvollziehbar ist aber, dass im Gesetz der Standort Wien festgelegt wird", so Gimpl. Der optimale Standort wäre Salzburg, weil es hier bereits die Experten gebe. Außerdem sollte dieses Institut nicht dem Ministerium nachgeordnet werden, sagte Gimpl. (APA)

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    PISA-Chef Günter Haider ortet "Widerstand in der ganzen pädagogischen Landschaft".

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