Wo die Bällchen baden gehen

10. November 2005, 13:11
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In der Region um Belek in Küstennähe locken gleich sechs Golfplätze - Und Sportliche springen hier auch in der Wintersaison ins Meer

Gewächshäuser und mit Plastikfolien vermummte Gurken lauern an den Straßenrändern. Aber auch die zittrige Choreografie des in der Brise tanzenden Schilfes versperrt den freien Blick - und dann ruckelt ein verstaubter Traktor das Landsträßchen nach Aksa-Antalya entlang.

Auch er hat sich in den Vorhof des Ferienmilieus verirrt. Einen buschigen Schnauzer trägt sein Fahrer. Wie ein haariger Halbmond hängt er ihm an den Mundwinkeln herab und leistet während des Überholens zugleich jene Orientierungshilfe, derer es im Nebenstraßen-Gewirr östlich von Antalya mitunter bedarf.

Genau: Man befindet sich also doch, immer noch, schon wieder in der Türkei. Auch wenn jetzt, in den Mischnutzungs-Niederungen der Küstenebene erstaunlich Disneyeskes zwischen Windschutzscheibe und Sandstrand auftaucht: Zuerst ist es ein Campanile, Teil des auf All-inclusive-Lagune getrimmten "Venezia-Resorts", von dem man mit Badelatschen salopp nach Moskau hinübergondeln kann.

Rotgesichtige auf dem Roten Platz, Bikinimode vor Basilius-Kathedrale-Zwiebelchen, verdeckte Deck-Chair-Kommandos an der Kreml-Mauer montieren hier, im bekannten "Kremlin Palace Resort" jenes Feriensujet, in dem sich das Sonnenölsystem der so genannten türkischen Riviera ziemlich russisch gibt.

Aber nicht nur. Denn schon einen weiteren Strandhüpfer entfernt machen Urlaubsmacher nämlich auch auf gediegen Ottomanisch. Der "Topkapi Palace" markiert hier das östliche Ende der wunderlichen "World of Wonders"-Resortwelt - und rückt den türkischen Badetourismus ein gutes Stück an Las Vegas heran.

Baden in exakt durchgeplantem, den Kriterien der Spaßökonomie unterworfenem Umfeld geht in der Happy-Holiday-Region östlich von Antalya aber auch das eine oder andere weiße Bällchen - zumindest nach ziemlich verhauten Schlägen auf ziemlich nicht verhauten Golfplätzen.

Das kann bezeugen, wer sich ins noch ein paar Kilometer weiter östlich gelegene Belek hinüberbegibt, immer den breiten, flachen Streifen Landes entlang, der sich wie eine längliche türkische Pizza zwischen das Mittelmeer und das Taurusgebirge schiebt. Die wild gezackten Ausläufer des großen türkischen Küstengebirges halten sich hier dezent im Hintergrund, bescheren Belek vor allem genügend Platz für eine ungewöhnlich hohe Konzentration unmittelbar benachbarter Golfplätze.

Sechs Plätze befinden sich hier bereits heute, kommendes Jahr werden es zehn sein, und weitere Anlagen sind in Planung. Schließlich will Belek seinen Status auch angesichts einer türkischen Golf-Großoffensive bewahren: Achtzig Golfplätze hatte die türkische Regierung dieses Jahr landesweit bewilligt.

Neben Belek werden in absehbarer Zeit auch die westtürkischen Regionen Izmir und Cesme nachziehen. Dass Belek dabei federführend bleiben will und wird, ist für Kenner der Materie keine Frage. Die Pinien, das saftige Velours-Grün der schmatzenden Greens, die dunstige Silhouette der Taurus-Ausläufer, der seltene Hoopoe-Specht auf dem Logo des hier gelegenen Antalya Golf Club, und schon wieder diese filigranen Verbeugungen des Schilfs neben den vielen Wasserhindernissen des Platzes - irgendwie gehört das alles zusammen.

Denn als im Jahre 1994 mit dem nur wenige Caddie-Minuten entfernten National Golfclub der erste - und wie viele sagen: der schwierigste - Golfplatz eröffnet wurde, hatte der Raum Belek mehr zu bieten als nur viel Platz. Marschen und ein amphibisches Landschaftsnaturell prägten die Gegend seit Langem. Uninteressant für die heimischen Bauern, gut besucht hingegen von Schildkröten und über hundert seltenen Vogelarten, bewachsen von Eukalyptus, duftenden Pinien und nicht zuletzt auch von 30 endemischen, eben nur hier vorkommenden Pflanzenarten - so sah die wenig genutzte Gegend aus, als sie im planerischen Gleichschritt mit der touristischen Filetierung in einen riesigen Naturpark umgewidmet wurde.

Stolz auf die vielen "Blauen Flaggen", die Auszeichnung für beste Strandqualität, und wohl auch auf die Brutplätze der Meeresschildkröten, die hier alljährlich ihre Golfbällen nicht unähnlichen Eier ablegen, ist man in Belek. Aber wichtiger ist für die Region trotzdem das Wasser, das dem Feuchtgebiet seit jeher von der "anderen" Seite, nämlich von den nahen Bergen, zukommt.

Ein Reichtum, wie geschaffen für das Golf-Business - und zugleich ein nicht zu unterschätzender Vorteil im zunehmend dichteren Kampf um die umsatzstarke Qualitätssparte des Wintergolf-Tourismus. Allein in Österreich wächst die Zahl der aktiven Golfer jährlich um knapp zehn Prozent - ein nicht nur hinsichtlich des perfekt mit dem Badetourismus getimten, saisonalen Schichtwechsels interessantes Kundenpotenzial.

Und Belek, das mehr Greenfees verkauft als alle österreichischen Golfplätze zusammen, punktet da auch dank seines saftigen Taurus-Backgrounds. Wenige der ähnlich von der Sonne verwöhnten und hinsichtlich Wintergolf relevanten Mittelmeeranrainer können nämlich in dieser Hinsicht mithalten, ihre Fairways mit ähnlichem Wasserreichtum päppeln: Das zunehmend von Trockenheit geplagte Spanien nicht. Auch nicht Tunesien, Ägypten oder das mit weniger Plätzen beschickte Zypern.

Dass der österreichische Golfverband seine Paradegolfer nach Belek trainieren schickt, dass heimische Pros wie Markus Brier und Natascha Fink den hier bespielten Golfplätzen nur das Beste nachsagen (allen voran dem National Golfclub), unterstreicht die binnen nur weniger Jahre erreichte Bedeutung der türkischen Golfdestination.

Freude kommt denn auch bei Bentour-Boss Gürsel Erel auf, der hier den lukrativen Golfreisen-Markt mit leichtem Heimvorteil beackert: Der Erfolg von Belek lindert so auch "den Zorn, dass sein Land um 100 Euro bei Eduscho verkauft wird".

Ganz andere Packages lassen sich nämlich rund um etwaige Beleker Wintergolf-Trips schnüren. Sie: "Gucci-Fee." Er: "Greenfee." So könnte eine der maßgeschneiderten Optionen aussehen, denn der Mode-Einkaufsbummel im nahen Antalya (Stichwort: sinnvolle Beschäftigungen in der Vorweihnachtszeit) bietet sich ebenso an wie etwa die gefällige Kombination von Golf und Design-Hotspots - neben dem trendigen Hillside Su Hotel in Antalya erweitert dieses Jahr in Belek auch das elegante Kempinski "The Dome" die Palette der südtürkischen Hotelarchitektur.

Und natürlich schimmert hinter den vielen Greens der Gegend auch das Marmorweiß so mancher historischen Ruine: Zum Beispiel die römische Ruinenstadt Side, daneben mit Aspendos das am besten erhaltene Amphitheater westlich von Syrien, oder die Ruinen des antiken Perge sind wahrlich kein Handikap.

Veranstalter:
www.bentour.at
Der österreichische Türkei-Spezialist hält eine Reihe von Packages rund um Beleks Golfplätze und -resorts bereit. Details dazu im Bentour Türkei Golfreisen, Katalog "Winter 2005/2006".
Anreise: Zum Beispiel mit der Turkish Airlines und der Austrian nach Antalya.
Unterkunft: Kempinski "The Dome": www.kempinski-belek.com.
(Der Standard/rondo/21/10/2005)

Von Robert Haidinger
  • Neben den Greens hat die die Region Belek auch kulturell einiges zu bieten, zum Beispiel die römische Ruinenstadt Side oder das Amphitheater Aspendos.
    foto: anatolian-sky.co.uk/

    Neben den Greens hat die die Region Belek auch kulturell einiges zu bieten, zum Beispiel die römische Ruinenstadt Side oder das Amphitheater Aspendos.

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