Dableiben nach den Bomben

24. November 2005, 10:40
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Die Touristen haben sich daran gewöhnt, mit dem Risiko am Urlaubsort zu leben - auch allen Reisewarnungen zum Trotz

DER STANDARD: Frau Stuppäck, auf Bali sind abermals Bomben hochgegangen, aber die Urlauber verlassen nicht panikartig die Insel wie noch vor drei Jahren. Haben wir gelernt, mit dem Terror umzugehen, oder sind wir einfach abgestumpft?

Stuppäck: Nach so einem Ereignis gibt es immer einen Buchungsrückgang, aber es gibt auch Urlauber, die vor Ort bleiben – diese Erfahrung haben wir schon nach dem Tsunami gemacht. Gerade bei Fernreisen wollen die Leute ihren Urlaub nicht so leicht abbrechen. Nach all den Anschlägen in diesem Jahr, in London, in Sharm El-Sheikh, jetzt auf Bali, glaube ich schon, dass es so etwas wie einen Gewöhnungseffekt gibt.

DER STANDARD: Inwieweit sind Ihrer Meinung nach Reisewarnungen wie vom österreichischen Außenministerium ein taugliches Mittel, um ein mögliches Gefahrenpotenzial an einem Urlaubsort einzuschätzen?

Stuppäck: Tourismus lebt von der Sicherheit, und natürlich gibt es immer Versuche, Sicherheit zu objektivieren. Ob Reisewarnungen ein probates Mittel sind, kann man nicht generell sagen. Oft ist ja unklar, welche Quellen bei der Einschätzung der Lage verwendet wurden – oder die Sicherheitslage in einer Hauptstadt ist gut erfasst, nicht aber entlegene Regionen. Aber natürlich sind Reisewarnungen ein wichtiger Hinweis, zumal ich bei Vorliegen einer solchen ja auch kostenlos stornieren kann.

DER STANDARD: Drängt sich nicht der Eindruck auf, dass bei der Erstellung von Reisewarnungen mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn nach den Anschlägen von New York oder London keine Reisewarnung ausgesprochen wird, im Fall zum Beispiel von Usbekistan oder Indonesien aber schon?

Stuppäck: Wenn man sich die Listen mit den Reisewarnungen der verschiedenen Länder ansieht, drängt sich dieser Verdacht schon auf. Umgekehrt hat Indonesien zum Beispiel nach dem 11. September vor Reisen in die USA gewarnt, was zu massiven Irritationen bei den Amerikanern geführt hat. Generell kann man sicher sagen, dass Reisewarnungen massive Auswirkungen auf den Tourismus haben – je stärker ein Land vom Tourismus abhängig ist, desto schlimmer trifft es eine Reisewarnung.

DER STANDARD: Welche andere Informationsquellen können Sie Urlaubern zur Auswahl eines Urlaubsziels in puncto Sicherheit empfehlen?

Stuppäck: Es macht sicher Sinn, die Reisewarnungen verschiedener Länder zu vergleichen. Auch manche Reiseführer informieren auf ihren Homepages aktuell über die Sicherheitslage. Grundsätzlich ist es sinnvoll, nicht nur eine Quelle zu verwenden.

Infos zur Reisesicherheit auf der Homepage des österreichischen Außenministeriums: www.bmaa.gv.at und auf Respect: www.respect.at.
(Tanja Paar/Der Standard/rondo/21/10/2005)

  • Silvia Stuppäck ist Geschäftsführerin von "respect", dem Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung.
    foto: der standard

    Silvia Stuppäck ist Geschäftsführerin von "respect", dem Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung.

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