Umfrage: Mehrheit gegen Tempo 160

1. November 2005, 19:22
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Verkehrsministerium will kommendes Jahr einen Autobahnabschnitt bei idealen Wetter- und Fahrbahnbedingungen freigeben

Wien - Die Zustimmung zu Tempo 160 auf der Autobahn schwindet. Laut neuester OGM-Umfrage, die der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in Auftrag gegeben hat, lehnen bereits 58 Prozent aller Österreicher die Lizenz zum Rasen ab. Nur mehr 38 Prozent sind dafür. Im Frühjahr hatten sich in einer ÖAMTC-Befragung noch sechs von zehn Personen für eine Anhebung des Geschwindigkeitslimits ausgesprochen.

Wie berichtet, will Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) kommendes Jahr einen (noch nicht ausgewählten) Autobahnabschnitt als Teststrecke für Tempo 160 freigeben - nicht generell, sondern immer nur bei idealen Wetter- und Fahrbahnbedingungen.

Viele Junglenker dafür

Verkehrs- und Umweltexperten warnen vor einem "falschen Signal". Vor allem jüngere, unerfahrene Lenker, die ohnehin schon die meisten Verkehrsunfälle verursachten, kämen mit Tempo 160 nicht zurecht. Aber genau in der Altersgruppe der unter 30-Jährigen ist in der OGM-Umfrage (500 Befragte) die Zustimmung für die höhere Geschwindigkeit mit 46 Prozent auch am größten.

Das Verkehrsministerium selbst überrascht immer wieder mit unerwarteten Pro-Argumenten, wie eine Antwort aus dem Kabinett von Ressortchef Gorbach auf eine Anfrage von Tempo-160-Gegner und STANDARD-Leser Martin Först aus Baden zeigt: Sein Hinweis, dass doch mit dem höheren Tempolimit eine Gesetzesübertretung legalisiert wird, stößt im Ministerium auf Zustimmung. Auch wenn man im Büro Gorbach lieber von einer "Kanalisierung" des Verbotenen spricht und dabei - jetzt wird es auch politisch interessant - als Vorbild die Wiener Drogenpolitik nennt.

Vorbild Drogenszene

Die Praxis, "der Drogenszene bestimmte Plätze anzubieten, um das Ganze unter Kontrolle behalten zu können", werde in Wien "sehr erfolgreich" umgesetzt. "Davor waren der Wildwuchs enorm, die ,Szene' gefährlicher und eine Kontrolle fast unmöglich", betreibt das Kabinett des BZÖ-Ministers und Vizekanzlers indirekte Wahlwerbung für die Wiener SP und deren Drogenpolitik. Und außerdem, wie schon die Prohibition in den USA gezeigt habe: "Verbietet man alles, wird es illegal ausgeübt."

Solchen Aussagen kann Innenministerin Liese Prokop (VP) wenig abgewinnen. Sie setzt auf "Bleib am Leben - Geh vom Gas!". So lautet der Slogan der Verkehrskampagne 2005, die gemeinsam mit dem ORF, dem Kuratorium für Verkehrssicherheit und mit dem Österreichischen Gemeindebund ab sofort durchgeführt wird. Ziel ist es, Jugendlichen mögliche Konsequenzen von überhöhter Geschwindigkeit zu zeigen. In zum Teil drastischen TV- und Kino-Spots kommen jugendliche Opfer von Verkehrsunfällen zu Wort. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 20.10.2005)

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