Jungfamilien zahlen deutlich mehr Miete als der Durchschnitt

7. November 2005, 13:30
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Ein Drittel des Nettoeinkommens und mehr gehen laut AK bei privaten Mietwohnungen für den Zins drauf - im Städtevergleich sind Wien und Linz am günstigsten

Wien - Die Mietkosten sind in den vergangenen Jahren vor allem für private Mietwohnungen stark gestiegen. Daher müssen vor allem Jungfamilien deutlich mehr an Miete für ihre Wohnungen zahlen als der Mieter-Durchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der Arbeiterkammer (AK), die heute, Mittwoch, präsentiert wurde.

Im Städtevergleich sind Wien und Linz am günstigsten, weil es ein deutlich höheres Angebot an Gemeinde- und geförderten Genossenschaftswohnungen gibt als in anderen Städten und diese deutlich günstiger sind.

Junge Arbeitnehmerhaushalte zahlten laut Studie im Schnitt um 29 Prozent mehr, jene, die erst 2003/2004 eine Wohnung gemietet haben, sogar um 42 Prozent mehr an Miete. "Ohne das Angebot an Gemeindewohnungen und geförderten Genossenschaftswohnungen wäre für viele junge Arbeitnehmerfamilien Wohnen gar nicht mehr leistbar", betonte dazu AK-Wohnexperte Franz Köppl. Familien mit Kindern leben zu zwei Drittel in Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen.

Private Mietwohnungen

Bei privaten Mietwohnungen zahlen Familien, die 2003/2004 eine Wohnung gemietet haben, im Schnitt bereits ein Drittel ihres Nettoeinkommens für die Miete, bei Gemeindewohnungen nur rund ein Fünftel.

Die AK fordert daher von der Regierung, die schleichende Kürzung der Wohnbauförderungsmittel zu beseitigen, die Bundeswohnbauförderung zweckzubinden und bei privaten Mietwohnungen eine wirksame Mietenbegrenzung einzuführen.

Im privaten Wohnungssegment war die Steigerung der Mieten laut AK überdurchschnittlich hoch. Junge Haushalte, die 2003/2004 eine private Mietwohnung gemietet haben, mussten pro Quadratmeter um 2,87 Euro (plus 60 Prozent) mehr bezahlen, als die Haushalte, die die Wohnung schon vor zehn Jahren gemietet haben. Für eine Durchschnittswohnung von 69 Quadratmeter ergibt sich dadurch eine Verteuerung von monatlich rund 200 Euro. Bei Gemeindewohnungen und Genossenschaftswohnungen sei dieser Kostenunterschied zwischen neueren und älteren Verträgen viel geringer gewesen. Bei Gemeindewohnungen betrug diese Differenz 0,85 Euro pro Quadratmeter (plus 18 Prozent), bei Genossenschaftswohnungen 0,47 Euro (plus neun Prozent).

Mietenbelastung im Städtevergleich:

Wien      24,5 % d. Haushaltsnettoeinkommens
Linz      25,0 % d. Haushaltsnettoeinkommens
Salzburg  27,2 % d. Haushaltsnettoeinkommens
Graz      28,5 % d. Haushaltsnettoeinkommens
Innsbruck 28,8 % d. Haushaltsnettoeinkommens

Mietkosten 2003/04:

Gemeindewhg.               5,64 Euro/m2 brutto
Genossenschaftswhg.        5,99 Euro/m2 brutto
priv. Mietwhg. ohne Makler 7,40 Euro/m2 brutto
priv. Mietwhg. über Makler 8,65 Euro/m2 brutto

Das IFES (Institut für empirische Sozialforschung) hat für die AK Wien die Mietkosten von 1.200 jungen Arbeitnehmerhaushalten (jünger als 35 Jahre, zumindest eine Person unselbstständig beschäftigt) in den Städten Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck untersucht. Erhoben wurden private Hauptmieten und Mieten in Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen. Das durchschnittliche monatliche Haushaltsnettokeinkommen betrug 1.855 Euro (Median: 1.675 Euro). Rund ein Drittel der befragten Haushalte waren Single-Haushalte, ein Drittel Paare ohne Kinder und rund ein Drittel Haushalte mit Kindern. (APA)

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    Junge Arbeitnehmerhaushalte zahlten laut Studie im Schnitt um 29 Prozent mehr, jene, die erst 2003/2004 eine Wohnung gemietet haben, sogar um 42 Prozent mehr an Miete.

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