Gesetzliches Melde-Netz gegen Risikokredite

9. November 2005, 10:14
3 Postings

Würde Kredit an Einzelperson, Firma oder verbundene Gruppe ein Viertel der Eigenmittel überschreiten, läge Gesetzesbruch vor - Großkredite sind an FMA und OeNB zu melden

Wien - Mit ihrem 425-Millionen-Euro-Kredit an den Pleite gegangenen US-Broker Refco bzw. den langjährigen Refco-Chef hat die BAWAG zwar höchste Unruhe in die Szene gebracht. Gegen gesetzliche Grenzen bei der Kreditvergabe - allein was die Höhe des Kredits betrifft - hat sie nicht verstoßen, heißt es unisono zur APA.

Mit der so genannten Großkredit-Richtlinie sind strengere Meldeschwellen für großvolumige Kreditgeschäfte in österreichisches Bankenrecht eingezogen worden: So gilt jeder Kredit, dessen Summe 10 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel des Kreditinstituts übersteigt, als "Großveranlagung".

Übersteigt ein Kredit diese Schwelle, muss das im Rahmen der Monatsausweismeldung der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht gemeldet werden - einmal im Monat. So viel zur reinen Meldepflicht.

"Großveranlagungsgrenze"

Die Obergrenze für Großveranlagungen von besagt, dass jeder einzelne Großkredit (alle Zuzählungen samt Bonds) für eine Person, an ein einzelnes Unternehmen oder an eine Gruppe verbundener oder wirtschaftlich abhängiger Personen/Unternehmen, nicht mehr als 25 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel betragen darf.

Passiert das doch, muss üblicherweise die Aufsicht eingreifen. Damit wollte der Gesetzgeber das so genannte "Klumpenrisiko" und damit Kreditausfälle begrenzen. Die Banken müssen deshalb ihr Risiko besser streuen. Diese 25-Prozent-Großveranlagungsschwelle wird in Finanzkreisen gegenüber der APA hinter vorgehaltener Hand ohnedies für reichlich hoch bewertet.

Kernkapital

In einer Bank ist das Kernkapital (Tier-1) wichtigster Teil der gesamten haftenden Eigenmittel. Es stammt vor allem aus einbezahltem Kapital (Grundkapital) und Rücklagen (offene Reserven, z.B. Haftrücklagen) und gibt Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens. Auch ergänzende Eigenmittel (stille Reserven, Ergänzungskapital) werden den Eigenmitteln zugezählt.

Die BAWAG hat ihre Eigenmittel zuletzt mit mehr als 3,9 Mrd. Euro beziffert, das sind, wie die Bank gestern schriftlich bestätigt hat, 1,4 Mrd. Euro mehr als der Gesetzgeber bei der Zusammensetzung ihrer Kreditvergaben vorschreibt. (APA)

Links

FMA

OeNB
Share if you care.