"Deja-vu" im Atelier Augarten

25. Oktober 2005, 13:27
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Ausstellung von sieben zeitgenössischen Künstlern zum Phänomen der Wahrnehmungs- Wiederholung

Wien - "Deja-vu" heißt die zehnte Wechselausstellung im Wiener Atelier Augarten, viele der von Kurator Thomas Trummer eingeladenen sieben zeitgenössischen Künstler haben sich extra für die bis 26. Februar 2006 laufende Schau mit dem bekannten Begriff auseinander gesetzt. Für den Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, Gerbert Frodl, sind in der Schau "einige Aspekte eines unglaublich spannenden Themas" herausgearbeitet, wie er bei der Presseführung am Mittwoch hervorhob.

Begegnungsschock

Der irritierende Moment der Wiederbegegnung mit etwas früher bereits Erlebten oder Wahrgenommenen bringe eine Art Begegnungsschock mit sich selbst, erläuterte Trummer: "Wir werden aufmerksam auf uns." Für die Kunst seien vor allem die Elemente der Teilung und Spaltung, die Nähe zu Traum und Trauma sowie das Unheimliche, wie es etwa im Film immer wieder verwendet werde, von Interesse.

Filmisch arbeiten auch jene Künstler, deren Arbeiten in der Ausstellung den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Der Deutsche Clemens von Wedemeyer hat für seine dreiteilige und nun erstmals gezeigte Videoinstallation einen Schauspieler durch ein leeres Leipziger Museum streifen lassen: Er spielt drei verschiedene Rollen, einen Aufseher, einen Besucher und einen illegalen Bewohner des Hauses, wechselt jeweils sichtbar die Verkleidung und begegnet den Spuren der anderen von ihm gespielten Figuren. Durch das räumlich und zeitlich versetzte Ablaufen des Videos entsteht ein unheimliches und irritierendes Moment.

"Acting Waiting"

Isabell Heimerdinger hat ebenfalls einen Schauspieler vor die Kamera gebeten. Wolfram Berger wurde ersucht, einen Wartenden zu spielen, doch ohne sein Wissen bereits beim Warten auf den Dreh gefilmt. "Waiting. Acting Waiting" heißt die Arbeit, die die Stuttgarter Künstlerin nicht parallel, sondern hintereinander zeigt und die für den Betrachter ein amüsantes Ratespiel bedeutet. "Es ist erstaunlich, wie groß der Unterschied ist", erklärte Heimerdinger schmunzelnd.

Jan Mancuska bietet durch Projektion die Verlängerung eines den Raum durchquerenden Textbandes ins Virtuelle. Der Österreicher Constantin Luser hat mit zusammengebundenen Filzstiften auf eine hohe, weiße Wand gezeichnet und so einen Unschärfe-Effekt erzielt, Martina Steckholzer hat die Motive ihrer Bilder bei Videokamerafahrten durch Ausstellungsräume gefunden. Der Brite David Thorpe stellt Gitterbarrieren aus Holz und Glas auf und präsentiert Scherenschnitte, die in New York arbeitende Anna Gaskell zeigt großformatige Fotoarbeiten. (APA)

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