Kleine Textilhändler unter Druck - Umsätze bei Großen steigen

7. November 2005, 14:17
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Österreichs Textilhandel ist in Bewegung - Zahl der Standorte sinkt, die Verkaufsfläche steigt und Boutiquen weichen großen Flagshipstores

Wien - Der Umsatz im Bekleidungshandel hat 2004 erstmals seit Jahren wieder zugelegt. Auch in Zukunft sollen die Ausgaben für Kleidung steigen. Davon geht eine Studie von RegioPlan aus, die heute, Mittwoch, präsentiert wurde.

Der "Flächenwahnsinn" im Textilhandel setzt sich ungebremst fort: Seit 2001 ist die Verkaufsfläche in Österreich um 70.000 m2 - das entspricht einer Fläche von zehn Fußballfeldern - angewachsen. Für den Konsumenten bedeutet das aber nicht unbedingt mehr Auswahl: Zulegen konnten hauptsächlich Ketten wie H&M, New Yorker oder Mango, so die Studie.

Zahl der Outlets zurück gegangen

Die Zahl der Outlets insgesamt ist dagegen von 6.400 auf nunmehr 5.800 zurück gegangen. Den Burgenländern stehen dabei die meisten Bekleidungsgeschäfte je Haushalt zur Verfügung, dicht gefolgt von Salzburg und Tirol. Konkret "teilen" sich 1.000 burgenländische Haushalte 2,2 Bekleidungsgeschäfte, während 1.000 oberösterreichische Haushalte mit 1,5 Outlets auskommen müssen. Auch die Wiener müssen ein stärkeres Gedränge als etwa die Tiroler beim Kleider-Shopping in Kauf nehmen: In der Hauptstadt entfallen auf 1.000 Haushalte 1,8 Textilgeschäfte.

Die Umsatzentwicklung im österreichischen Textilhandel zeigt endlich wieder nach oben: Nach einem Rückgang im Jahr 2003 (minus 2,2 Prozent), ist der Umsatz 2004 erstmals seit Jahren wieder gestiegen - um 2,9 Prozent. RegioPlan geht davon aus, dass dieses Umsatzplus auf eine generelle positive Trendumkehr hindeutet, die Studie geht demnach auch für 2005 und 2006 von leichten Umsatzzuwächsen aus.

Löwenanteil auf Konto der Giganten

Der Löwenanteil kommt aber nicht den kleinen Bekleidungshändlern und Boutiquen zugute, sondern geht auf das Konto der Giganten, was die Großen immer größer macht. Die Top 5 der Marktteilnehmer (H&M, C&A, Vögele, Peek & Cloppenburg, KIK) vereinnahmten 2004 bereits 35 Prozent des Branchenumsatzes, 1998 waren es 24 Prozent. Im Vergleich zu anderen Branchen, etwa dem Lebensmittelhandel, erreicht der Textilhandel damit aber einen vergleichsweise geringen Konzentrationsgrad.

Konkurrent für den Bekleidungshandel wird zunehmend der Sportartikelhandel. Im Vergleich zum Jahr 1998, wo es noch 8 Prozent waren, kann der Sportartikelhandel mittlerweile 14 Prozent des Gesamtumsatzes mit Bekleidung für sich verbuchen.

1700 Euro pro Jahr

Ein österreichischer Haushalt gab im Jahr 2002 im Durchschnitt 1.724 Euro pro Jahr für Bekleidung aus, dieser Wert verringerte sich in der "Dürreperiode" des Handels stetig. Im Jahr 2004 war er schließlich bei 1.663 Euro angelangt. Nach aktueller Einschätzung von RegioPlan ist zu erwarten, dass die Verbrauchsausgaben im Textilbereich in den nächsten zwei Jahren wieder steigen werden.

Während 2004 die durchschnittlichen Ausgaben für Bekleidung pro Frau im Vergleich zu 2003 um 30 Euro auf 655 Euro gestiegen sind, haben Männer ihre Ausgaben für Mode in diesem Zeitraum um etwa den selben Betrag auf 450 Euro verringert. Ein Blick über die Grenze zeigt, dass diese Differenzen keine österreichische Besonderheit sind: So gab zum Beispiel eine polnische Frau im Jahresdurchschnitt 105 Euro für Bekleidung aus, während ein polnischer Mann nur 75 Euro in neue "Outfits" investierte. (APA)

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    Ein österreichischer Haushalt gab im Jahr 2002 im Durchschnitt 1.724 Euro pro Jahr für Bekleidung aus, dieser Wert verringerte sich in der "Dürreperiode" des Handels stetig.

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