U2 bleibt heißes Wahlkampfthema

23. Oktober 2005, 17:17
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Der U2-Ausbau bis Donaustadt muss verschoben werden - ÖVP fürchtet, dass das Happel-Stadion bis EM 2008 nicht fertig wird

Der U2-Ausbau bis Donaustadt muss verschoben werden, deckten die Wiener Grünen auf. Jetzt fürchtet die ÖVP, dass auch das Happel-Stadion nicht rechtzeitig bis zur Europameisterschaft 2008 erreicht wird. Stadtrat Sepp Rieder dementiert: "Die EM ist nicht gefährdet."

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Die Meldung hatte in der Vorwoche für Aufsehen gesorgt: Der Bau der Linie U2 nach Donaustadt muss voraussichtlich um "ca. ein Jahr" verschoben werden. Dies konnte der grüne Gemeinderat Christoph Chorherr mit einem internen Schreiben der Wiener Linien belegen (DER STANDARD berichtete).

Diese Woche legt nun der Wiener VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter mit einer weiteren Warnung nach: "Auch die Fertigstellung der U2 vom Schottenring bis zum Happel-Stadion ist akut gefährdet", glaubt Walter. Der ausgesprochen knappe Fahrplan für diesen Ausbau lautet: Bis zur Fußball-Europameisterschaft 2008 muss diese U-Bahn durch die Leopoldstadt zum Stadion rollen.

Hintergrund für Walters Warnung: Nicht nur, dass kürzlich ein massiver Wassereinbruch die Bauarbeiten in der Leopoldstadt verzögert hat, geht es auch hier noch um eine Grundstücksablöse, die noch nicht komplett vollzogen ist. Konkret handelt es sich um ein Grundstück zwischen Karmelitermarkt und Herminengasse, bei dem ein Enteignungsverfahren läuft - weshalb die Bauarbeiten eingestellt werden mussten. "Dem Vernehmen nach wird der Instanzenweg mindestens bis zum Sommer 2006 dauern", so Walter. "Sollte der Bau jetzt nicht wie vorgesehen bis zur EM fertig sein, wäre das die nächste Blamage für Wien nach dem Eisdebakel der Eishockey-WM."

EM nicht in Gefahr

Der zuständige Finanzstadtrat Sepp Rieder bestätigt im STANDARD-Gespräch die Schwierigkeiten mit dem Grundstück, dementiert aber: "Die Europameisterschaft ist nach Einschätzung der Wiener Linien nicht in Gefahr." Ein Problem beim Streit um die Grundstücksablöse: Die Enteignung an sich sei vom Gericht schon entschieden - "trotzdem kann der Bau derzeit noch nicht fortgesetzt werden, weil die Höhe der Ablöse noch nicht entschieden ist", erläutert Rieder. Er ist aber trotzdem guter Hoffnung, dass man sich noch wird einigen können.

Anders liegt es beim Abschnitt vom Stadion nach Donaustadt: Hier hatte Rieder bestätigt: Die Fertigstellung "2009 kann ich aus jetziger Sicht auch nicht mehr garantieren". Den Grünen Chorherr hatte empört, dass diese Verschiebung erstens nicht öffentlich kommuniziert wurde und vor allem vor der Wahl nicht bekannt gegeben werden sollte. Er habe selbst ein entsprechendes Schreiben der Wiener Linien gesehen.

Offene Finanzierung

Rieder hatte erklärt, er warte auf die Finanzierungszusage des Bundes für einen Weiterbau der U2 bis ins Flugfeld Aspern hinein. Rieder, der seit Monaten den Bund mit den weiteren U-Bahn-Projekten nach 2008 drängt: "Ich glaube nicht, dass der Finanzminister uns bis zur Wahl noch den Erfolg gönnen will."

Was die neuen U-Bahn-Garnituren betrifft, gibt es nun grünes Licht für die erste Lieferung: Die ersten fünf Züge sollen noch heuer ausgeliefert werden, die nächsten sechs sollen im kommenden Jahr zum Einsatz kommen. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD; Printausgabe, 19.10.2005)

  • Derzeit eine der größten Baustellen: Der Umbau des Bahnhofs Praterstern. Andernorts in der Leopoldstadt muss die Arbeit für die U2 wegen eines Grundstückstreits ruhen.
    foto: standard/corn

    Derzeit eine der größten Baustellen: Der Umbau des Bahnhofs Praterstern. Andernorts in der Leopoldstadt muss die Arbeit für die U2 wegen eines Grundstückstreits ruhen.

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