Videotestament führte zu Terrorplänen

5. November 2005, 12:35
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Durch Festnahmen sollen Anschläge auf niederländische Politiker vereitelt worden sein

Der vergangenen Freitag verhaftete mutmaßliche Terrorist Samir A. hat nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft ein Video aufgenommen, in dem er sich von Familie und Freunden verabschiedet.

In der achtminütigen Aufnahme in arabischer Sprache ist die Rede von einer nicht näher spezifizierten "Tat". Dieses vom Geheimdienst AIVD sichergestellte Video war für die Polizei Anlass, Samir A. und sechs weitere mutmaßliche Mitglieder der "Hauptstadtbande" festzunehmen.

Auch der Zeitpunkt dürfte für die Behörden eine Rolle gespielt haben: Am 2. November vergangenen Jahres war der Filmemacher Theo van Gogh in Amsterdam von Mohammed Bouyeri, einem Freund Samirs, erschossen worden. Laut Innenminister Johan Remkes konnten mit den Festnahmen Anschläge auf Den Haager Parlamentsabgeordnete vereitelt werden.

Bei Hausdurchsuchungen waren Biwakmützen und Gasmasken sichergestellt worden, jedoch keine Schusswaffen. Seit Freitag stehen alle elf Fraktionschefs des niederländischen Parlaments unter Personenschutz. Samir A. wird seit einigen Jahren verdächtigt, Anschläge auf den Amsterdamer Flughafen Schiphol, das Parlament, auf das Atomkraftwerk Borssele und das Hauptquartier des Geheimdienstes AIVD vorzubereiten.

Tschetschenien

Der neunzehnjährige Amsterdamer war im April dieses Jahres vom Gericht in Rotterdam wegen Mangels an Beweisen freigesprochen worden. Samir A. wird seit Jahren von der Polizei beobachtet. Anfang 2003 hatte er versucht, sich in Tschetschenien dem bewaffneten Widerstand anzuschließen, war aber von der russischen Polizei an der Grenze gefasst worden. Im Oktober 2003 war er mit vier weiteren Jugendlichen erstmals verhaftet worden. In Samirs Wohnung waren Kunstdünger und Salzsäure, die Hauptzutaten für die Herstellung einer Bombe, gefunden worden. Ein Jahr später wurde Samir erneut verhaftet, diesmal wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Supermarkt.

In seiner Wohnung fand die Polizei Pläne mehrerer Regierungsgebäude mit Angaben über Bewachung und Sicherheitsmaßnahmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.10.2005)

Barbara Hoheneder aus Amsterdam
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