Schüssel gegen Prüfungsgeld für Lehrer

8. November 2005, 13:12
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Bundeskanzler: "Finanzielle Bedingungen bleiben gleich" – Gehrer stimmt ihm zu - Jörg Haider will runden Tisch zur Bildung – Schüler streiken gegen Bildungsabbau

Wien – Extrageld für Nachprüfungen? Nicht, wenn es nach Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (VP) geht, der dieser Forderung der Gewerkschaft der Lehrer an berufsbildenden Schulen am Dienstag eine Absage erteilte. Er gehe davon aus, dass die "finanziellen Bedingungen nach den Schulpaketen I und II gleich bleiben".

Schüssel bestätigte damit Bildungsministerin Elisabeth Gehrers (VP) Linie, die sie im Standard vom Dienstag vorgegeben hatte. Gehrer sieht Prüfungen als "Teil des normalen Schullebens", der Kanzler sagte, die Leistungen der Lehrer, die bisher in der Normalzeit und im Rahmen des Normalentgeltes erbracht wurden, sollten auch in Zukunft so geleistet werden. Die Ministerin bekräftigte ihr Nein zu Nachprüfungstaxen für Lehrer.

"Willkommene Selektion"

Für ein generelles Überdenken des "Instruments" Nachprüfung sprach sich Günther Leeb vom Schulkompetenzzentrum der Kinderfreunde aus: "In jedem privaten Bildungsinstitut gelten hohe Durchfallsraten als Qualitätsmangel. In der AHS sind sie scheinbar ein willkommenes Selektionsinstrument. Nur bei lernunwilligen Standesdünklern unter den AHS-Lehrern kann das wesentliche Qualitätsmerkmal finnischer Schulen, die Ergebnisverantwortlichkeit des Lehrpersonals, auf Ablehnung stoßen."

Zum Vorwurf, die neuen Pädagogischen Hochschulen würden der "politischen Einflussnahme" ausgeliefert, meinte Bildungsministerin Gehrer übrigens, gerade bei der Lehrerausbildung sei enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium eine "Notwendigkeit". Als wichtiger Teil der tertiären Bildungslandschaft verteidigt wurden die neuen Lehrerhochschulen auch von mehreren Pädak-Direktoren.

In Wien, Linz und Vorarlberg werden heute einige Klassenzimmer ziemlich geleert sein, denn mehrere "SchülerInnen-Aktionskomitees" organisieren Streiks und "Gehrer-stoppen"-Demos.

Einen Verbündeten hätten die Schüler schon. BZÖ-Chef und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider fordert nämlich angesichts der "Bildungsmisere" einen runden Tisch aller Parlamentsparteien, Bildungsinstitutionen und Schülervertretungen. (DER STANDARD-Printausgabe, 19.10.2005)

Von Lisa Nimmervoll
  • Bundeskanzler Schüssel will den Lehrern kein Extrageld für Nachprüfungen zahlen - und liegt damit ganz auf der Linie seiner Bildungsministerin.
    foto: vp/hammer

    Bundeskanzler Schüssel will den Lehrern kein Extrageld für Nachprüfungen zahlen - und liegt damit ganz auf der Linie seiner Bildungsministerin.

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