VW-Affäre erfasst Audi-Betriebsrat

7. November 2005, 14:43
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Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus und nimmt Betriebsratschef Meier und zwei weitere Verdächtige ins Visier - Insgesamt jetzt neun Personen unter Verdacht

Braunschweig - Die Korruptionsaffäre bei Volkswagen hat nun auch den Betriebsrat bei der Konzerntochter Audi erfasst. Es gibt einen Anfangsverdacht gegen den Audi-Betriebsratschef Xaver Meier, den früheren VW-Betriebsrat und jetzigen Geschäftsführer des Bundesligisten VfL Wolfsburg Bernd Sudholt sowie einen weiteren Beschuldigten, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag mitteilte. Die drei stehen allesamt unter dem Anfangsverdacht der Untreue.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass die drei Männer an von VW-bezahlten Veranstaltungen teilgenommen haben, "die möglicherweise kein Dienstgepräge hatten", wie Behördensprecher Klaus Ziehe mitteilte. "Der neue Schritt ist die Quintessenz aller Ermittlungen." Einen Bericht von "Focus Online", wonach die drei Beschuldigten an einer Feier mit Prostituierten teilgenommen haben sollen, wollte Ziehe nicht bestätigen. Dem Bericht zufolge soll die Party 30.000 D-Mark (15.339 Euro) gekostet haben und über VW abgerechnet worden sein.

Beihilfe oder Anstiftung

Sudholt war zu dem betreffenden Zeitpunkt Stellvertreter des im Zuge der VW-Affäre zurückgetretenen VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert. Gegen Volkert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Beihilfe oder Anstiftung zur Untreue.

Hintergrund der Untersuchung sind die Spesenregelungen für den Betriebsrat. Jahrelang sollen Belegschaftsvertreter teure Reisen auf Firmenkosten unternommen haben. Außerdem sollen Essensrechnungen und andere Amüsements wie Partys über Spesen zum Schaden von VW abgerechnet worden sein. Angelpunkt der Lustreisen war nach bisherigen Erkenntnissen Gebauer, der in der VW-Personalabteilung für die Spesen des Betriebsrates zuständig war. Er beruft sich darauf, nur auf Anweisung seiner Vorgesetzten gehandelt zu haben.

Ermittlungen gegen neun Personen

In Summe wird jetzt in der VW-Affäre gegen neun Personen ermittelt. Die bisherigen Beschuldigten sind: Der frühere Vize-Betriebsratschef Sudholt, Audi-Betriebsratschef Meier, der SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere VW-Betriebsrat Hans-Jürgen Uhl, Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert, der niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete und amtierende Betriebsrat bei VW-Nutzfahrzeuge Günter Lenz, Ex-Skoda-Vorstand Helmuth Schuster, Ex-Personalmanager Gebauer, der zurückgetretene Personalvorstand Peter Harz und der nicht namentlich genannte Verdächtige. Laut "Focus Online" handelt es sich um einen VW-Betriebsrat aus Hannover.

Kein Kommentar

Eine Audi-Sprecherin lehnte einen Kommentar zu den Beschuldigungen gegen Meier ab. "Bei Audi gab und gibt es grundsätzlich kein unkontrolliertes Budget des Betriebsrats", sagte sie. Sudholt war zunächst nicht zu erreichen.

Die Affäre war im Sommer bekannt geworden, nachdem der Konzern sich von Schuster und Gebauer getrennt hatte. Sie sollen zusammen mit Volkert versucht haben, mit einem grenzübergreifenden Firmengeflecht Geld von VW in die eigenen Kassen umgeleitet zu haben. Volkert und Harz traten zurück. Im Lauf der Monate rückte aber der Missbrauch der Spesenregelungen immer mehr in den Mittelpunkt der Ermittlungen. (APA/AP/Reuters)

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