SPÖ warnt Rektoren: "Keine Zugangsbeschränkungen"

9. Dezember 2005, 11:14
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Studien bei SPÖ-Regierung "kein gut angelegtes Geld" - Kritik an EMS-Verfahren

Wien - Für "kein gut angelegtes Geld" hält die SPÖ die von der Rektorenkonferenz angekündigten Studien zum Thema Hochschulzugang. Er wisse schon, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) für die Rektoren "ein willkommener Anlass für eine Sache war, die sie schon länger im Herzen tragen" - nämlich den Uni-Zugang in allen Fächern zu begrenzen, so SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Wenn die SPÖ nach der Wahl in der Regierung sei, werde es aber nicht dazu kommen.

Kritik übte Broukal auch an der Vorgangsweise der Medizin-Unis, schon vor dem Studium über die Zulassung von Studienwerbern zu entscheiden. Die Verlässlichkeit des in Wien und Innsbruck geplanten Schweizer EMS-Tests sei nicht so eindeutig wie oft behauptet. Er sage nämlich nichts darüber aus, wie viel Prozent der Abgelehnten nicht doch ein Studium erfolgreich durchlaufen hätten. Vorstellbar sei eine Einführung nur nach dem Einbau mehrerer Sicherheiten wie etwa der mehrmaligen Wiederholbarkeit.

So lange ein Auswahlverfahren in Medizin unumgänglich sei, müsse eine Selektion erst nach Absolvierung einer Eingangsphase und nach bundeseinheitlichen Kriterien erfolgen. Um eine Aussage über die nötige Anzahl an Studienplätzen in Medizin zu treffen, bedürfe es aber einer Bedarfserhebung, wie viele Ärzte in Österreich nötig seien, so Broukal - weder Bildungs- noch Gesundheitsministerium hätten eine solche vorgelegt. So lange so viele Deutsche in Österreich Medizin studierten, brauche man tendenziell mehr Studienplätze - eventuell sogar eine zweite Medizin-Universität in Wien.

Ordnung in das Uni-System will die SPÖ bereits in der Schule bringen. So soll ein Modulsystem in der Oberstufe einerseits Studenten auf etwaige Auswahlverfahren an den Unis gezielt vorbereiten. Gleichzeitig könne man aus der Zahl der Anmeldungen für solche vorbereitende Kurse auf die erwartbare Studentenzahl in einzelnen Studienrichtungen schließen. Weiters nötig: Ein Ausbau der Berufsorientierung an den AHS, so SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Möglich sollte es auch sein, grundsätzlich eine AHS zu besuchen, aber gleichzeitig einen bestimmten Kurs an einer HTL zu absolvieren.

Broukal forderte außerdem die Einführung einer "Breitband"-Studieneingangsphase: Das erste Studienjahr soll demnach vor allem wissenschaftliches und methodisches Grundlagenwissen zu Lasten der Fachinhalte vermitteln. In verwandten Studienrichtungen könne damit bei einem Studienwechsel die Einführungsphase besser angerechnet werden.

Für Ärger bei Broukal sorgt unterdessen das "Hase- und Igel-Spiel" der Regierung bei ihren Anfragebeantwortungen zum EuGH-Verfahren: Das Bundeskanzleramt verweise auf das Bildungsministerium und umgekehrt. Darüber hinaus werde eine Auskunft über das Verfahren trotz öffentlicher Verhandlung mit dem Hinweis auf eine angebliche Verschwiegenheitspflicht abgelehnt. "Warum darf die Öffentlichkeit nicht wissen, mit welchen luziden und schlagenden Argumenten Österreich nach Luxemburg in die Schlacht gezogen ist? (APA)

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