Interview: Herren-Chef Toni Giger

16. November 2005, 11:41
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"Große Kugel war in Österreich schon selbstverständlich" - Schwieriger Balanceakt: Gesamtweltcup zurückerobern und Kräfte sparen für Olympia

Sölden - Mit dem Auftakt-Wochenende in Sölden geht Toni Giger (42) in seine siebente Saison als Rennsportleiter der österreichischen Ski-Herren. Im Winter 2005/2006 stehen die rot-weiß-roten Skihelden vor einem schwierigen Balanceakt: einerseits will man den Gesamtweltcup zurückerobern, andererseits sollen die Allrounder hinsichtlich Olympia 2006 nicht ausgepowert werden. Im APA-Interview sprach der Salzburger Giger über die vor der Tür stehende Saison.

Vor allem auf die Allrounder wartet ein harter, langer Winter. Wie wichtig wird das Einteilen der Kräfte sein?

Giger: Das wird heuer ein ganz entscheidendes Thema sein. Man muss schauen, dass man zum Saisonhöhepunkt Olympia noch genug Schmalz in den Beinen hat. Man muss die Regeneration schwerpunktmäßig betreiben und bei den Renneinsätzen individuell vorgehen.

Bode Miller hat sich vergangene Saison vor Ihren Schützlingen Raich, Maier und Walchhofer den Gesamt-Weltcup geschnappt. Wie wichtig ist es für Sie, dass die "Große Kugel" wieder nach Österreich zurückkehrt?

Giger: Wir haben in der jüngsten Vergangenheit sehr, sehr oft den Gesamtweltcup geholt. Die Große Kugel war in Österreich schon selbstverständlich. Jetzt hat man gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist. Sollten wir die Kugel wieder nach Österreich holen, dann wird sie wieder mehr wert sein. Das ist das Positive am Sieg von Miller.

Miller hat in der vergangenen Saison mit seinem Superstart den Weltcup vorentschieden, wie werden die ÖSV-Herren diesmal auf die Millersche Frühform antworten?

Giger: Wir hatten letztes Jahr im Sommer sehr viele Materialumstellungen, über 50 Prozent der Mannschaft wechselten entweder Ski oder Schuh oder sogar beides. Dadurch gab es viel Testarbeit. Nach dem ersten Viertel der Saison sind wir dann sehr gut in Schwung gekommen, und die Mannschaft hat eine unglaublich starke Leistung gezeigt. Heuer ist die Situation anders: es gab im Sommer relativ wenige Wechsel, daher sind unsere Läufer gut aufs Material eingestellt. Wir sind ganz klar in einer günstigeren Ausgangsposition.

Heißt der große Favorit auf den Gesamt-Weltcup dennoch wieder Miller?

Giger: Miller ist einmal mehr einer der ganz heißen Topfavorits. Wir sind alle sehr gespannt, wie der direkte Vergleich ausschauen wird.

Benjamin Raich hat eine sensationelle Saison hinter sich. Wie schwer wird es für ihn, locker und ohne Druck zu fahren?

Giger: Bei ihm ist vergangene Saison sehr viel zusammengekommen, das war eine unglaubliche Leistung. Die Latte liegt hoch, keine Frage. Das Wichtigste wird sein, dass er sich selbst keinen Druck macht. Aber das ist leichter gesagt als getan.

Hat es entscheidende Neuerkenntnisse beim Material gegeben?

Giger: Das Material wird jedes Jahr um zwei, drei Zehntel pro Minute schneller. Wer mit einem zwei Jahre alten Material fahren würde, bräuchte schon sehr viel Selbstvertrauen. Wir haben wieder Kleinigkeiten herausgefunden.(APA)

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