Kritik an Europäischer Union

7. November 2005, 19:17
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Den Haag/London - Die niederländische Zeitung "de Telegraaf" schreibt am Dienstag zur Ausbreitung der Vogelgrippe:

"Die Vogelgrippe zieht um die Welt und findet auch unter Menschen Opfer. Aber nichts weist darauf hin, dass die Vogelgrippe durch Menschen übertragen werden kann und dass ein neues Virus entsteht, gegen das der Mensch keine Abwehr hat. Es ist zu hoffen, dass es so bleibt. Aber es wäre sinnvoll, wenn die pharmazeutische Industrie aktiver auf die Suche nach einem Impfstoff geht, falls die Vogelgrippe doch auf den Menschen überspringt. Mit einem relativ kleinen Betrag könnte die Industrie dazu gebracht werden. Von selbst wird sie das nicht so schnell tun, weil sie nicht weiß, ob sie die Investitionen wieder herein bekäme. Denn es ist ja nicht sicher, dass eine weltweite Epidemie ausbricht."

Zur Angst vor der Vogelgrippe schreibt die konservative britische Zeitung "The Times" am Dienstag:

"Wir können recht zurückgelehnt darüber spekulieren, ob eine Pandemie sehr viele oder sehr wenige von uns hinwegreißen würde. Doch jenseits der Mutmaßungen liegt die Tatsache, dass Millionen Menschen früh sterben oder schwer beschädigt werden durch Diabetes, Schlaganfälle und Herzkrankheiten, die durch Rauchen, zu geringe Bewegung, Übergewicht und schlechte Ernährung verursacht werden. Die Vogelgrippen-Pandemie verlangt nichts weiter von uns, als einen Impfstoff zu fordern. Die anderen Sachen erfordern, das wir uns ändern."

Die französische Tageszeitung "La Republique du Centre" aus Orleans kritisiert nach der Entdeckung des ersten Falles von Vogelgrippe in der Europäischen Union eine mangelnde Zusammenarbeit:

"Zugvögel halten sich nicht mehr an Grenzen als einst die Wolke von Tschernobyl. Also durfte man nicht hoffen, dass die Besorgnis erregenden Vögel als Überträger des Vogelgrippe-Virus ihren Flug vor den Toren Europas unterbrechen. Angesichts einer undeutlichen Bedrohung, die sich aber konkretisiert, beunruhigen die unterschiedlichen Reaktionen am meisten. (...) Europa lässt wieder einmal die Flügel hängen. Ärgerlich ist, dass die nationalen Regierungen auf diesem Gebiet entscheiden. Artikel 152 des Europäischen Vertrages sieht bei einer drohenden grenzüberschreitenden Epidemie bloß eine Koordination vor. Dies ist viel weniger, als der Entwurf einer EU-Verfassung vorsah. Doch das 'Europa-Virus' hat die öffentlichen Meinungen leider längst nicht angesteckt." (APA/dpa/AFP)

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