Flexiblere Arbeitszeit umstritten

7. November 2005, 14:27
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Unverrückbare Fronten in der Frage einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit: Die einen warnen vor "Rabattlöhnen", die anderen fordern mehr Professionalität ein

Wien - Bereits 42 Prozent der Beschäftigten haben keine fixen Arbeitsbeginn und -endzeiten, heißt es in einer Erhebung der Dublin-Foundation für Österreich. 48 Prozent haben ein unterschiedliches Stundenvolumen vorgegeben und 14 Prozent treten regelmäßig am Sonntag im Job an.

Mit Blick darauf, dass auch rund 200 verschiedene Kollektivvertragsregelungen die Arbeitszeitgestaltung ermöglichen, lehnten Arbeitnehmervertreter am Montag bei einer groß angelegten Veranstaltung zur Frage "Arbeitszeit=Lebenszeit - auch im Tourismus?" einen weiteren Ausbau der Anpassungsfähigkeit für ihre Klientel ab.

Tourismus-Gewerkschafter Rudolf Kaske dazu dezidiert: "Die Mitarbeiter der Freizeitwirtschaft verdienen bereits ein Drittel weniger als Durchschnittsösterreicher. Eine Streichung von Überstundenzuschlägen als Ergebnis flexiblerer Arbeitszeitmodelle kommt nicht infrage."

Es sei "bedauerlich", dass die Arbeits- und Lebensbedingungen im Tourismus oft nicht mit der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Branche mithalten könnten, kritisierte auch Christoph Klein, Sozialexperte der AK Wien, der auf die hohe Anzahl an Arbeitsrechtsprozessen gegen Tourismusbetriebe etwa in Wien hinwies.

Durchmärsche

Konkrete Negativbeispiele kamen dazu von Hans Kohlmaier, Betriebsratsvorsitzender Imperial Hotels AG: "Da gibt es so genannte Durchmärsche, also zweimal acht Stunden Arbeit, oder den vom Chef angeregten Verzicht auf Überstundenbezahlung zur Karriereförderung."

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen konstatiert Universitätsprofessor Johannes Gärtner für die gesamte Branche dann jedenfalls generell wenig Bemühen um neue "sozial und betriebswirtschaftlich sinnvolle" Arbeitszeitformen. Für Helmut Hinterleitner, obersten Interessenvertreter der Gastrobetriebe, macht nur "eine gemeinsame Neudefinition der Normalarbeitszeit" Sinn.

Vorgaben der Dienstleistungsgesellschaft

Die Vorgaben der Dienstleistungsgesellschaft lassen gar nichts anderes zu, so Hinterleitner, der parallel dazu auch die Vorteile der Branche herausstrich. Sie zeichne sich immerhin "als konstanter Arbeitgeber" aus und habe in der heurigen Sommersaison 181.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die würden sich zudem, laut einer Ifes-Umfrage, "auch weniger Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen als Beschäftigte anderer Branchen".

Eine Aussage, die Sepp Schellhorn, selbst erfolgreicher Salzburger Hotelier und Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung damit ergänzt, dass "etwa in der Ferienhotellerie in den letzten fünf Jahren die Löhne um 15 Prozent gestiegen sind". Und sein Fazit zur Flexibilisierungsdebatte: "Je flexibler die Arbeitszeit, desto professioneller kann die Branche handeln." (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.10.2005)

  • Die Freizeitwirtschaft schleppt das Flexibilisierungsproblem mit sich herum. Ist es Mehrarbeit ohne Zusatzentlohnung oder zwingende Vorgabe einer Dienstleistungsgesellschaft?
    foto: der standard/fischer

    Die Freizeitwirtschaft schleppt das Flexibilisierungsproblem mit sich herum. Ist es Mehrarbeit ohne Zusatzentlohnung oder zwingende Vorgabe einer Dienstleistungsgesellschaft?

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