Analyse: Haider gegen Strache in Wiener Unterliga

23. Oktober 2005, 17:17
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Auch in Wien hat das BZÖ gegen die FPÖ keinen Auftrag - Jörg Haider muss daher alles auf die kommende Nationalratswahl setzen

Wien - Das von der FPÖ propagierte Duell H. C. Strache gegen Michael Häupl gibt es nicht, da liegen an die 40 Prozent dazwischen. Tatsächlich gibt es aber ein Match H. C. Strache gegen Jörg Haider - allerdings in der Wiener Unterliga. Und es ist bereits entschieden. Trotz Haiders höchstpersönlichem Einsatz auf den wenigen orangen BZÖ-Plakaten hat er das direkte Duell, zumindest in Wien, schon verloren. Der prognostizierte Stimmenanteil des BZÖ ist kaum messbar, mit größter Wahrscheinlichkeit werden die Orangen in Wien, angeführt von Polit-Urgestein Hans-Jörg Schimanek, den Sprung in den Landtag nicht schaffen.

Straches FPÖ liegt dagegen gut im Wind. Jüngsten Umfragen zufolge ist ein zweistelliges Ergebnis möglich, das bedeutet in Wien zwar immer noch eine Halbierung, wäre aber angesichts der Umstände ein für die FPÖ achtbares Resultat. Strache wäre als Bundesobmann der FPÖ gestärkt, die Landesorganisationen würden wieder näher an ihn heranrücken.

Hürde

Jörg Haiders BZÖ hat in den Ländern - mit Ausnahme Kärntens - keinen Rückhalt, der Bündnisobmann setzt daher zwangsläufig alles auf die Nationalratswahl im nächsten Jahr. Aber auch da gilt die Vierprozenthürde.

Das BZÖ hat de facto keinen Apparat und keine Strukturen, aber immerhin sechs Leute in der Bundesregierung, drei Minister und drei Staatssekretäre. Und die haben immer noch einige Aufmerksamkeit, wenn auch höchst unterschiedlich - abgestuft gereiht von Justizministerin Karin Gastinger bis Staatssekretär Sigisbert Dolinschek. Ob deren Performance alleine ausreicht, das BZÖ in die Höhe zu bringen, darf angezweifelt werden.

Bleibt noch Kärnten. Dort kam Haider im März 2004 - noch mit der FPÖ - auf 42,4 Prozent. Also hofft er auf ein Grundmandat in Kärnten, das ihm unabhängig vom sonstigen Abschneiden in Österreich den Einzug in den Nationalrat sichern würde. Für ein Grundmandat wären in einem der vier Kärntner Wahlkreise mehr als 25.000 Stimmen notwendig. Bei der Nationalratswahl 2002 kam die Haider-FPÖ einem Grundmandat in Kärnten-Ost am nächsten, aber auch dort fehlten 3700 Stimmen auf die erforderlichen 26.700. Und FPÖ und BZÖ waren noch nicht getrennt.

Angesichts dieser tristen Ausgangslage wundert es nicht, dass Haider über eine Wiedervereinigung nachdenkt. An der hat sein Klon und Konkurrent aber kein Interesse. Strache ist mit der FPÖ alt in der besseren Position. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2005)

von Michael Völker
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    foto: cremer
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