Abteilung Musikpädagogik des Mozarteums soll nach Innsbruck

6. Dezember 2005, 14:09
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Schon bisher hat Salzburg Tirols Streben nach einer eigenen Kunstfakultät kritisch beäugt - Nun ist Feuer am Dach

Salzburg/Innsbruck - "Die Übersiedlung des Mozarteums nach Innsbruck" sei nur eine Frage der Zeit, befürchtet FP-Landesparteichef Karl Schnell. Auch der Salzburger Nationalrat Johann Maier (SP) spricht von einer Bedrohung: Wenn die Budgetverhandlungen Einschnitte für das Mozarteum brächten, bleibe dem Universitätsrat der Salzburger Kunstuni gar nichts anderes übrig, als einer Teilabsiedelung zuzustimmen. Schnell und Maier sind nur zwei Salzburger Politiker, aus deren Sicht in Sachen Mozarteum der sprichwörtliche Hut brennt.

Anlass der Angst vor einer "unfreundlichen Übernahme" von Teilen des Mozarteums: Am Wochenende sind Besprechungsprotokolle einer Sitzung von Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) mit Ministeriumsvertretern bekannt geworden, nach denen Innsbruck eine eigene Kunstfakultät erhalten solle und die Abteilung "Musikpädagogik" des Mozarteums samt Budget der Uni Innsbruck übertragen werde. Als Gegenleistung habe van Staa eine Ablösesumme von bis zu 600.000 Euro geboten. Sollte Innsbruck auch die Ausbildung der Kunsterzieher - in Summe einige hundert Studierende - von der Salzach abziehen können, wollte Van Staa bis zu fünf Millionen Euro aufbringen. All das sei mit Bildungsministerin Elisabeth Gerer (VP) akkordiert.

Die Empörung in Salzburg war programmiert. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) sieht das Vertrauensverhältnis mit dem Ministerium erschüttert, man werde einer Zerschlagung des Mozarteums nicht zusehen. Das umgehend erfolgte Dementi von Ministeriumsseite - "nicht aktuell" - hat die Salzburger nicht beruhigt. Ministerin Gehrer habe ihm Anfang April in einer Anfragebeantwortung ja auch versichert, dass es keine Absiedlungspläne gebe, fühlt sich SP-Nationalrat Maier belogen.

Auch van Staa hatte wiederholt derartige Absichten verneint. Er bleibt auch nach Veröffentlichung der Gesprächsprotokolle dabei: Er habe sich nur "bereit" erklärt, die ohnehin schon in Innsbruck bestehende Expositur des Mozarteums in die per Bundesgesetz bereits 1997 beschlossene Innsbrucker Kunstfakultät zu integrieren. So könnten die derzeit bestehenden Doppelgleisigkeiten bei der Ausbildung von Musiklehrern beseitigt werden. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2005)

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