Tirol: Group4 sichert Sozialarbeit im Flüchtlingsheim

7. November 2005, 13:39
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Sicherheitskonzern bekam Auftrag als Billigstbieter

Innsbruck - In Tirol sind die Sozialarbeiter in Flüchtlingsheimen nicht bei NGOs, wie in anderen Bundesländern, sondern beim Sicherheitskonzern Group4 Falck beschäftigt. "Group4 arbeitet im Auftrag des Landes, ist eine reine Personal-Leasing-Firma und erhielt den Zuschlag als Billigstbieter", rechtfertigt Landesflüchtlingskoordinator Peter Logar die Entscheidung.

Vom Berufsverband der SozialarbeiterInnen und der Asylkoordination kommt Kritik. In einem Brief an Soziallandesrätin Christa Gangl (SP) sieht es der Berufsverband-Landesgruppe Tirol als "höchst bedenkliches" Signal, ein Unternehmen mit dem "Aufgabenprofil als Sicherheitsdienstleister" heranzuziehen. In die "völlig falsche Richtung" geht das Signal auch für Anny Knapp von der Asylkoordination: "Wieso hat das Land Tirol nicht einen Träger gesucht mit sozialer und interkultureller Kompetenz?" Auch sei das Kostenargument "nicht nachvollziehbar", da einen Großteil der Bund zahle: im ersten Jahr 60 Prozent, dann ohnehin alles.

Unbekannte Summe

Der Berufsverband appelliert an die vom Land "immer wieder bezeugte Absicht, auf verschiedenen Ebenen des Sozialbereiches die Qualität zu sichern". Flüchtlingskoordinator Logar sagt dazu im STANDARD-Gespräch: "Es ist jedem freigestellt, sich bei uns nicht zu bewerben und einen anderen Job zu ergreifen."

Wie viel Group4 vom Land erhält, bleibt ein Geheimnis. Weder der Flüchtlingskoordinator noch Group4-Chef Norbert Jäckel nennen die Summe. Laut dem Büro der für Personal zuständigen Landesrätin Anna Hosp (VP) werde "ein fixer Prozentsatz" pro Anstellung bezahlt. Hosp war dagegen, für die Flüchtlingsbetreuung des Landes einen eigenen Verein zu gründen. (bs/DER STANDARD, Printausgabe, 18.10.2005)

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