Prodi geht für die Linken ins Rennen

3. November 2005, 11:22
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Fulminanter Erfolg für den Favoriten - Wähler füllten die Parteikassen des Linksbündnisses Ulivo mit 40 Millionen Euro

Die Vorwahlen des italienischen Linksbündnisses wurden zu einem fulminanten Erfolg für den Favoriten Romano Prodi. Auch die Wahlkassen von Ulivo wurden für die Parlamentswahlen im Frühjahr mit 40 Millionen Euro aufgefüllt.

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Mit bis zu 700.000 Wählern hatte das Linksbündnis gerechnet. Doch die Beteiligung an den erstmals durchgeführten Vorwahlen des Ulivo hat am Sonntag alle Erwartungen weit übertroffen. 4,3 Millionen Bürger stimmten über den Spitzenkandidaten der Mitte-links-Allianz für die Parlamentswahlen im Frühjahr ab. Widerspruchlos nahmen sie in den 10.000 Wahllokalen zwischen Bozen und Messina lange Wartezeiten in Kauf.

In vielen Städten mussten Stimmzettel nachgedruckt werden, andernorts behalf man sich mit Fotokopien. Wegen des großen Andrangs blieben die Wahllokale bis gegen Mitternacht geöffnet. Das Ergebnis war ein Plebiszit für Romano Prodi, der 74,6 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte und damit die Erwartungen deutlich übertraf.

Nur 14,6 Prozent für Kommunistenchef

Kommunistenchef Fausto Bertinotti musste sich mit einem für ihn enttäuschenden Ergebnis von 14,6 Prozent begnügen. Der Christdemokrat Clemente Mastella kam auf 4,5 und der grüne Parteichef Alfonso Pecoraro auf 2,2 Prozent. Die hohe Wahlbeteiligung wurde im Linksbündnis mit Euphorie aufgenommen.

"Großes Fest der Demokratie

"Es war ein großes Fest der Demokratie" erklärte Prodi, der das Ergebnis als Auftrag wertete, "ein neues, einheitliches Ulivo-Bündnis voranzutreiben". Der Chef der Linksdemokraten Piero Fassino sah in den Vorwahlen einen "zukunftsweisenden Akt demokratischer Mitbestimmung".

Das Rechtsbündnis sprach von einem "rein propagandistischen Ereignis". Prodi gewinne nur unter den linken Wählern, so Premier Berlusconi. Die Parlamentswahlen aber werde er verlieren.

Auch die Spendenfreudigkeit übertraf am Sonntag alle Erwartungen. Statt des geforderten Kostenbeitrags von je einem Euro spendeten die Wähler das Zehnfache und füllten die Kassen des Linksbündnisses mit 40 Millionen Euro.

Bluttat

In Kalabrien wurden die Vorwahlen durch eine Bluttat überschattet. Der Vizepräsident des Regionalrats, Francesco Fortugno, wurde in Locri vor einem Wahllokal von einem maskierten Mann erschossen, der auf einem Motorrad flüchtete. Der Ermordete war Regionalratsabgeordneter der Margherita und Chefarzt am Krankenhaus in Locri, das als Hochburg der kalabresischen Mafiaorganisation N'Drangheta gilt. (DER STANDARD, Printausgabe 18.10.2005)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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    Romano Prodi konnte 74,6 Prozent der Stimmen für sich verbuchen - damit übertraf er die Erwartungen deutlich.

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