Leben auf offener Bühne

19. Oktober 2005, 17:51
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Besuch im Theater Preah Suramarith in Kambodscha: "The Burnt Theatre" von Rithy Panh

Fassbinder oder Warhol hätten ihre Freude gehabt an den Menschen, die Rithy Panh in seinem Dokumentarfilm "The Burnt Theatre" präsentiert: Sie leben, kochen, faulenzen, singen, streiten in ihrem Theater. Sie verlassen das Gebäude kaum einmal, dabei sind die meisten Mauern dieses einst berühmten Hauses in Phnom Penh doch längst eingestürzt, und durch die leeren Fenster wächst die suptropische Vegetation.

Das Theater Preah Suramarith ist für Rithy Panh zugleich Zeichen und Konkretion dessen, was die Roten Khmer während ihrer Terrorherrschaft in Kambodscha angerichtet haben.

Sie haben die Kultur ausgelöscht, sie haben das eigene Volk bekämpft. Das Burnt Theatre hielt während des Regimes durch, es fiel erst 1994 bei Renovierungsarbeiten einem Brand zum Opfer. Die Kompanie, die hier einmal einen sehr erfolgreichen Cyrano gespielt hat, ist seither einfach dageblieben. Sie basteln ein wenig an der riesigen Ruine weiter, manchmal fährt einer in die Stadt, um in einer Kitschproduktion für das Fernsehen ein wenig Geld zu verdienen. Am Horizont kann man sehen, wie sich die Stadt allmählich verändert – die Konsumgesellschaft errichtet sich ihre eigenen Tempel.

Eine Zukunft hat diese Theatergruppe nicht. Sie fällt langsam aus der Zeit und behält gerade dadurch ihre kritische Distanz. Rithy Panh schließt mit seiner dokumentarischen Methode dort an, wo er mit seinem Film über die Tempel von Angkor Wat schon war: bei einer ausgesprochen diskreten Präsenz – es geht nicht um Konfession und Therapie, sondern um das Spiel, das aus dem Trauma herausführt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2005)

Von
Bert Rebhandl

20.10., Urania, 11.00

25.10., Stadtkino, 17.00

  • Artikelbild
    foto: viennale
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