Jugendzeitschrift "Bravo" kommt ins Museum

4. November 2005, 16:28
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Feiert 2006 den 50 Geburtstag - Erstes Exemplar im April 1956, erscheint wöchentlich seit 1968 - "Dr. Sommer" ordiniert seit 1969

Das erste "Bravo"-Heft erschien im April 1956, und Marilyn Monroe schmückte ihre Titelseite. 50 Jahre später ist "die "Bravo" (in Deutschland) oder "das Bravo" (in Österreich) die größte deutschsprachige Jugendzeitschrift. Im Wilhelm-Fabry-Museum bei Düsseldorf erhält sie ab 23. Oktober sogar eine eigene Ausstellung. Weil jeder Teenie in seinem Leben irgendwann einmal "Bravo" zur Hand nahm, galt die Zeitschrift lange Jahre als "Zentralorgan der deutschen Teenager", erzählt Museums-Mitarbeiter Bernd Morgner.

Die Startauflage des ersten Heftes, das noch den Untertitel "für Film und Fernsehen" trug, lag bei 64.000 Exemplaren. Heute werden nach Angaben des Hamburger Heinrich Bauer Verlags pro Ausgabe im Durchschnitt 454.300 Exemplare verkauft. Der Erfinder der "Bravo" erlebte das Jubiläum nicht mehr: Der Journalist und spätere Regierungssprecher Peter Boenisch starb am 8. Juli.

Wöchentlich seit 1968

Seit 1968 erscheint "Bravo" wöchentlich. 63 Prozent der "Bravo"-Leser sind weiblich, die meisten Leser sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. Aufsehen erregte das Blatt mit seiner Beziehungs- und Sexualberatung. 1962 gab es mit dem "Knigge für Verliebte" die erste Aufklärungsserie, sieben Jahre später nahm "Dr. Sommer" seinen Dienst auf und beantwortet seither Fragen von Jugendlichen zu Sexualthemen. 1971 kam noch "Dr. Korff" hinzu. Für die damalige Zeit war dies so anstößig, dass 1972 sogar zwei "Bravo"-Ausgaben wegen Jugendgefährdung indiziert wurden. Der Auflage war dies eher nützlich: Sie durchbrach zeitweilig sogar die Marke von einer Million verkaufter Exemplare.

In der DDR verboten

Wie keine andere Zeitschrift in Deutschland war "Bravo" vor allem in den 60er, 70er und 80er Jahren prägend und Stil bildend für Generationen von Jugendlichen. In der DDR war "Bravo" verboten und wurde unter der Hand zu hohen Preisen gehandelt. Viele Pop-Musiker verdanken dem kampagnenartigen Starkult der Illustrierten ihre Popularität. Soziologen schreiben dem Blatt eine erhebliche Rolle bei der Kommerzialisierung der Jugendkultur zu.

Die Schau zum Geburtstag soll eine authentische, aber auch kritische und nicht zuletzt amüsante Zeitreise durch fünf Jahrzehnte Jugendkultur bieten. Zu sehen sind auch die berühmten Starschnitte der Zeitschrift. Die Schau gliedert sich in vier Bereiche: Neben der Zeitschrift als "Spiegelbild des Zeitgeistes" geht es um die Kommerzialisierung von Jugendkultur und um Sexualität. Zur Ausstellung erscheint ein 312-seitiges Begleitbuch. Die Schau im Wilhelm-Fabry-Museum ist bis zum 22. Jänner 2006 zu sehen und soll anschließend in 15 weiteren Städten in Deutschland und Europa gezeigt werden, darunter auch Wien und Kopenhagen. (APA/dpa)

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