Kaum Pause nach der längsten Saison

10. November 2005, 13:34
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Durchatmen, aber Schumacher hat große Lust, nächstes Jahr umso mehr anzugreifen - Weichenstellung für 2006 am Samstag

Shanghai - Als die längste Formel-1-Saison mit einer feucht-fröhlichen Party in Schanghai beendet war, ging in den Denkfabriken der Teams die Tüftelei mit Hochdruck weiter. "Viel Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug angesichts der Tatsache, dass es im neuen Jahr in der Königsklasse so viele Änderungen geben wird, wie schon lange nicht mehr.

Bis Ende November gilt zwar der freiwillige Testverzicht der Teams, "private" Versuchsfahrten werden alleine wegen der vielen Regeländerungen aber wohl nicht ausbleiben. "Jetzt heißt es erst einmal tief durchatmen", meinte der entthronte Weltmeister Michael Schumacher nach dem GP von China. Der Ferrari-Star gab zu: "Das war beileibe keine Saison, auf die wir stolz sein können."

Der Absturz des Serienchampions auf WM-Rang drei treibt ihn zu neuen Taten. "Nach einer solchen Saison ist die Lust eher noch größer! Dann will man umso mehr angreifen und wieder vorne mitfahren." Vielleicht helfen die vielen Reglementsänderungen Schumacher und Ferrari beim Weg zurück an die Spitze. Besonders der Wechsel vom V10-Motor mit über 900 PS hin zum bis zu 20 Prozent leistungsschwächeren V8-Aggregat stellt die Ingenieure vor Herausforderungen. Doch ob die Formel-1-Hierarchie durch den neuen Motor durcheinander gewirbelt wird, ist zweifelhaft. "Vom Gefühl her würde ich sagen, bestimmt nicht", meinte Haug.

Auch sein McLaren-Mercedes-Team will 2006 nach nunmehr fünf titellosen Jahren genau wie Schumacher wieder an die Spitze fahren. In Shanghai musste die britisch-schwäbische Renngemeinschaft auch in der Konstrukteurs-Wertung den Franzosen den Vortritt lassen. "Ein Sieg auf der ganzen Linie für Renault. Sie haben alles geholt, zuerst den Titel für Alonso vor drei Wochen in Brasilien und jetzt, mit ungeheurem Stolz, die Rennstall-Krone", jubelte "France-Soir". Schon im Kampf um die WM-Nachfolge von Michael Schumacher hatte Renault- Pilot und China-Sieger Fernando Alonso die Nase klar vor Silberpfeil- Pilot Kimi Räikkönen. "Unser Rivale hat in diesem Jahr sein Potenzial voll ausgeschöpft. Wir haben noch Luft nach oben", versicherte Haug.

Auch Ferrari will seine Frust-Saison vergessen machen. "Alles was bei Michael Schumacher in dieser Saison irgendwie nur schief gehen konnte, ging schief. Nächstes Jahr kann es wirklich nur besser werden", spendete sogar das britische Massenblatt "The Sun" Trost. "Dass wir in beiden WM-Wertungen Dritter geworden sind, verfälscht unsere Leistung eher", meinte Schumacher. Nachfolger Alonso hat seinen 36 Jahre alten Vorgänger noch längst nicht abgeschrieben: "Für mich ist er einer Topfavoriten", wiederholte der 24 Jahre alte Spanier in Shanghai.

Unklar ist noch, ob der WM-Titel in 19 oder 20 Rennen vergeben wird. Während Formel-1-Chef Bernie Ecclestone eine Verlängerung befürwortet und vorsichtshalber 20 Termine blockte, lehnen die meisten Teamchefs die Erweiterung wegen der zusätzlichen Belastung ab.

Auch das Reglement steht noch nicht. Erst am 22. Oktober will die maßgebliche Formel-1-Kommission über Neuerungen beraten. Der Qualifikations-Modus soll auf Drängen von Ecclestone erneut geändert werden, nachdem in dieser Saison nur ein Einzelzeitfahren stattfand. Auch ob Reifenwechsel wieder erlaubt werden, ist offen.

Sicher ist, dass sich das Teilnehmerfeld verändert. Die Zahl der Werks-Teams erhöht sich von drei auf fünf, nachdem Honda den BAR- Rennstall vollständig übernommen und BMW nach der Trennung von Williams den bisherigen Privat-Rennstall Sauber gekauft hat. Red Bull leistet sich ein zusätzliches Nachwuchs-Team, schnappte sich Minardi und wandelt das Team in die Squadra Toro Rosso um. Jordan wird 2006 unter dem Namen seines Besitzers Midland fahren. Die Spekulationen um ein von Honda unterstütztes elftes Team in der Formel 1 werden spätestens beim Meldeschluss im November geklärt sein.(APA/dpa)

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