Düstere Aussichten für den Video-iPod?

10. November 2005, 11:16
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New York Times: Zu früh, zu wenig - Kaum Unterstützung durch Filmstudios

Für den Erfolg eines Geräts sind bei weitem nicht nur technischen Daten, Preis und Ausstattung ausschlaggebend, neben der Werbung spielt dabei auch das Timing eine entscheidende Rolle. Dass es äußerst negative Auswirkungen für ein Produkt haben kann, wenn es zum falschen Zeitpunkt auf den Markt kommt, hat auch Apple in der Vergangenheit - zum Beispiel mit dem Newton - bereits zur Kenntnis nehmen müssen. Mit dem Video-iPod könnte Apple nun erneut so ein Malheur passiert sein, so sieht es zumindest die New York Times in einem aktuellen Kommentar.

Schlechte Position

Denn im Gegensatz zum Musikbereich ist Apple im Bereich des Online-Film-Vertriebs nur äußerst schlecht aufgestellt, kaum ein Filmstudio stellt sich hinter die Bemühungen des Computerherstellers Video-Content auf den iPod zu bekommen. Bezeichnend, dass bei der Präsentation der neuen Hardware gerade einmal Disney mit an Board war, eine Firma deren Anwesenheit wohl auch durch die erwünscht Verbesserung der Beziehungen mit dem Animationsstudio Pixar - das ebenfalls von Apple-Boss Steve Jobs geleitet wird - motiviert war.

Angebot

Alle anderen Studios zeigen Jobs hingegen bisher die kalte Schulter, so bleiben gerade noch Musikvideos, ein paar TV-Serien und in Zukunft wohl die Pixar-Werke für den iTunes-Vertrieb übrig. Kein Vergleich zur Situation am Musikmarkt, wo Apple alle großen Studios hinter sich hat.

PSP

Nicht gerade besser wird die Situation wohl, dass man im Bereich der mobilen Videoplayer einen mächtigen Konkurrenten hat, der hier wesentlich besser positioniert ist: Der Verkauf von Filmen für Sonys Playstation Portable hat sich so gut entwickelt, dass die Studios derzeit das Angebot immer rascher ausweiten. Zwar bietet Sony - noch - keinen Online-Verkauf an, die kleinen UMD-Scheiben sind dafür aber auch - aufgrund der fehlenden Brenner für das Format - praktisch nicht kopierbar, ein Argument, das wohl auch bei den Studio-Bossen gut ankommt.

Konkurrenz

Auch in Hardware-Hinsicht schläft die Konkurrenz nicht, so befinden sich derzeit einige Geräte in Entwicklung - bzw. sind bereits auf dem Markt - die Videos direkt vom einem Fernseher aufzeichnen und entweder über das eingebaute Display oder einen angeschlossenen TV wiedergeben können. Im Vergleich zum iPod Video heißt das eben auch gratis vs. 1,99 US-Dollar für den Download einzelner Folgen.

Zweifel

Bleibt abzuwarten ob Steve Jobs das Kunststück gelingt, die großen Studios doch noch hinter seinem Angebot zu versammeln - und ob das Angebot dann auch von den KundInnen angenommen wird - oder ob der iPod Video ein MP3-Player, der "auch Videos" abspielen kann, bleibt. Momentan schaut es aber so aus, als wäre das neue Gerät noch nicht reif für die "Prime Time", so die New York Times. (red)

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