Weiteres Zukunftskommissions-Mitglied übt Kritik

7. März 2006, 17:37
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Nach PISA-Chef Haider nun auch Kritik von Erziehungswissenschafter Eder: Pädagogische Hochschulen sind massiver politischer Einflussnahme ausgesetzt

Wien - Nach PISA-Österreich-Chef Günter Haider übt ein weiteres Mitglied der von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) eingesetzten Zukunftskommission für das Schulwesen Kritik an Gehrers Schulpaket II.

Stellungnahme

Der Entwurf zur Umwandlung der Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen (PH) trage der Notwendigkeit, Lehrerbildung für alle Schulstufen und Schultypen auf tertiärem Niveau zu verankern, "nicht ausreichend Rechnung", so der Salzburger Erziehungswissenschafter Ferdinand Eder in seiner Eigenschaft als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) in einer Stellungnahme.

Massive Einflußnahme

Die Kritik der ÖFEB konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Punkte: Einerseits ermuntere der Entwurf die PH nicht zur Wahrnehmung "der für eine hochschulische Institution zentralen Forschungsaufgaben, sondern schränkt diese in überdeutlicher Abgrenzung und abwertender Abstufung zu den Universitäten ein". Andererseits würden die PH "der Möglichkeit massiver politischer Einflussnahme ausgesetzt". Daher könnten sie nicht als vollwertige tertiäre Einrichtung gelten.

Politischer Hochschulrat

Grundsätzlich seien tertiäre Institutionen wie Universitäten durch Autonomie und weitgehende, lediglich durch grundsätzliche Ziel- und Leistungsvereinbarungen eingeschränkte Unabhängigkeit von Politik und Verwaltung gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu überantworte der Gesetzesentwurf die PH aber "in sehr weit reichendem Maße der politischen Einflussnahme. Diese Tendenz ist umso bedenklicher, als solche Einflüsse im österreichischen Schulwesen ohnehin eine international betrachtet vergleichsweise große Rolle spielen." So soll etwa der einflussreiche fünfköpfige Hochschulrat durchgängig politisch besetzt werden (amtsführender Landesschulratspräsident, von der jeweiligen Landesregierung bestelltes Mitglied, drei vom Bildungsminister bestimmte Mitglieder, Anm.).

Im Forschungsbereich lasse der Entwurf nicht erkennen, durch welche flankierenden dienstrechtlichen Bestimmungen zur Forschung ermuntert werde, kritisiert die ÖFEB. Außerdem werde die Forschung durch die Forderung nach ausschließlicher und unmittelbarer Berufsfeldbezogenheit begrenzt. (APA)

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