Es wird eng für Peter Hartz

7. November 2005, 14:43
6 Postings

Ex-Personalvorstand in VW-Affäre immer mehr belastet - Er soll von "Lustreisen" und Bordellbesuchen von Betriebsräten auf VW-Kosten gewusst haben

Hannover - Im Betrugs- und Untreueskandal bei VW wird der langjährige Personalvorstand Peter Hartz immer mehr belastet. Zwei Sekretärinnen hätten bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig ausgesagt, dass Hartz von "Lustreisen" und Bordellbesuchen von Betriebsräten auf VW-Kosten gewusst habe, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Die Sekretärinnen hätten detailliert über das Abrechnungssystem Auskunft gegeben. Vom Unternehmen gab es dazu wegen des laufenden Verfahrens "keine Stellungnahme".

Der Kreis der Beschuldigten in der VW-Affäre hatte sich inzwischen auf sechs Personen erweitert. Auch Hartz geriet ins Visier der Justiz. Die Zeuginnen haben dem "Focus" zufolge für den Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer gearbeitet. Sie sollen für die Staatsanwaltschaft eine "große Rolle" spielen.

Schadenersatz-Forderungen

Die VW-Revision hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" inzwischen eine Liste von Reisen des früheren VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert erstellt, die er unternommen hat und sich von VW hat bezahlen lassen. Danach kommen auf ihn Schadenersatzforderungen in Höhe von mehreren hunderttausend Euro zu. Allein eine Reise auf die Inselgruppe der Andamanen im Indischen Ozean mit vier anderen Teilnehmern soll mehr als 150.000 Euro gekostet haben. Das Unternehmen werde Geld zurückfordern, wenn Summen veruntreut worden seien, betonte ein VW-Sprecher am Samstag.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen den zurückgetretenen Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Anlass für die Ermittlungen gegen Volkert war eine Indien-Reise Anfang 2004. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte VW für die Reise eine sechsstellige Summe bezahlt.

Konflikt um Aufsicthsrat eskaliert

Der Konflikt um die Macht im VW-Kontrollgremium dürfte derweil in den nächsten Wochen weiter eskalieren, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Es sei nicht geklärt, wer die vom neuen VW-Großaktionär Porsche beanspruchten drei Sitze im Aufsichtsrat räumen soll.

Heinrich von Pierer denke nicht an einen vorzeitigen Abschied aus dem Gremium. Er sei vielmehr offen für eine weitere Amtsperiode, heißt es der Zeitung zufolge im Umfeld des ehemaligen Siemens-Chefs. Pierer sitzt seit 1996 im VW-Aufsichtsrat und war zuletzt als Nachfolger für Ferdinand Piëch an der Aufsichtsratsspitze ins Spiel gebracht worden. (APA/dpa)

  • Ex-Vorstand Hartz hat derzeit wenig zu lachen.
    foto: epa/jensen

    Ex-Vorstand Hartz hat derzeit wenig zu lachen.

Share if you care.