Schulpaket für die "Türtaferlindustrie"

8. November 2005, 13:04
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Eltern kritisieren Pädagogische Hochschulen - Lehrer wollen Geld fürs Nachprüfen

Wien - Kurt Nekula lobt Elisabeth Gehrer. Mit Einschränkungen. Es ist ein "Ja, aber"-Lob, das der Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an Österreichs Pflichtschulen - er vertritt 1,5 Millionen Eltern - der Bildungsministerin zuteil werden lässt. Grundsätzlich begrüßt der oberste Elternvertreter das "Schulpaket II", dessen Begutachtungsfrist heute abläuft.

Die geplanten Maßnahmen (ab Herbst 2006) - Unterrichtsgarantie, dass maximal 2,5 Prozent ausfallen, Straffung der Schulanfangsphase durch Vorverlegung der Nachprüfungen von der ersten Schul- in die letzte Ferienwoche - seien größtenteils in Ordnung, meinte Nekula am Wochenende, aber: "Wenn keine Ressourcen da sind, ist das alles lächerlich."

Die Unterrichtsgarantie etwa erfordere garantierte Stundenkontingente für Karenz-, Krankenstands- und Randstunden. Zumal die ersten und letzten Stunden bisher ja "nicht wegen gestresster Lehrer" entfallen seien, sondern als Sparmaßnahme.

Heftigen Widerstand seitens der Elternvereine gibt es indes gegen die Konzeption der ebenfalls miteingepackten Pädagogischen Hochschulen. Die Umwandlung der derzeitigen Pädagogischen Akademien in Hochschulen sei bloß ein "Zuckerl für die Türtaferlindustrie", so Nekula. Er liegt damit auf einer Linie mit BZÖ, SPÖ und Grünen, die eine einheitliche Ausbildung aller Pädagogen an den Universitäten fordern. Auch Kurt Nekula bemängelt, dass die künftigen Lehrerhochschulen nicht universitär werden und weiterhin nur die Pflichtschullehrer ausbilden sollen.

Auf einer anderen Linie zeichnet sich indes Boykott der besonderen Art ab. Die AHS-Lehrergewerkschaft deponierte als Erste ihren Unwillen, die Schüler - wie von Gehrer geplant - in der letzten Ferienwoche zur Nachprüfung antreten zu lassen.

Behelligte Lehrerferien

Die Gymnasialpädagogen wähnen dahinter eine "versteckte Arbeitszeiterhöhung". Und die Pädagogen in den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen wollen fürs Nachprüfen überhaupt gleich extra bezahlt werden und fordern Prüfungstaxen. Eine Vorverlegung in die Ferien, die Gehrer als Teil der effizienteren Schulanfangsphase versteht, sei "entbehrlich", meinen die Lehrer. (APA, nim/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2005)

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